Zirbenholz: Wie gesund ist es wirklich?

Obwohl es Hinweise darauf gibt, dass eine Umgebung mit viel Zirbenholz positive Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit hat, bleiben Mediziner und Wissenschaftler vorerst skeptisch. Foto: Can Stock Photo.

Seit Jahrhunderten werden dem Holz der Zirbe positive Auswirkungen auf die Gesundheit nachgesagt. Zirbenholz soll entspannen und beruhigen, das Immunsystem anregen und den Kreislauf stärken. Wissenschaftliche Belege sind allerdings noch rar.

Die Zirbe oder Arve, im Latein der Botaniker „pinus cembra“ genannt, wird nicht umsonst als „Königin der Alpen“ gerühmt. Das Holz des in alpinen Regionen wachsenden Baumes, der in Österreich u.a in Teilen der Steiermark und Kärntens vorkommt, weist allerlei Besonderheiten auf. Das beginnt schon bei seinem intensiven, aber durchaus angenehmen Duft, den viele Menschen als beruhigend und entspannend empfinden. Wer einmal Zirbenholz gerochen hat, erkennt den unverwechselbaren Geruch beim nächsten Mal bestimmt wieder.

Der Duft des Holzes geht auf den hohen Gehalt bestimmter Inhaltsstoffe zurück und wird schon seit Jahrhunderten geschätzt. Und ebenso lange wird er in den verschiedensten Bereichen auch genutzt. Dem Zirbenholz wird eine ziemlich ausgeprägte positive Wirkung auf das menschliche Wohlbefinden und die Gesundheit nachgesagt. Deshalb wird es in den Regionen seines Vorkommens auch häufig für Möbel und Wandverkleidungen verwendet.

Allerdings blieben die altbekannten positiven Eigenschaften des Zirbenholzes zumindest in wissenschaftlicher Hinsicht lange Zeit unbestätigt und unerforscht. Eine erste Wende erfolgte erst, als Forscher aus der Steiermark sich daran machten, die Auswirkungen des Zirbenholzes auf die menschliche Gesundheit wissenschaftlich zu ergründen. Das Ergebnis ihrer Arbeiten ist eine Studie, die 2004 am Institut für Nichtinvasive Diagnostik in Weiz, das zum Joanneum Research in Graz gehört, erarbeitet wurde. Bis heute schlägt sie große Wellen und sorgt für allerhand Diskussionen.

Eine steirische Studie erregte einiges Aufsehen

Die Studie der steirischen Wissenschaftler beschäftigte sich – kurz und entsprechend vereinfacht ausgedrückt – mit der Frage, welche Auswirkungen ein Zirbenholzumfeld auf den menschlichen Kreislauf, den Schlaf und insgesamt auf das Wohlbefinden hat. Der Titel der Studie: „Evaluation der Auswirkungen eines Zirbenholzumfeldes auf Kreislauf, Schlaf, Befinden und vegetative Regulation“. Damit wurde zum ersten Mal überhaupt der Versuch unternommen, die Frage, ob Zirbenholz gesund ist, wissenschaftlich zu klären.

Im Detail ging man der Frage nach, welche Folgen das Zirbenholz für die Belastungsfähigkeit und für die Erholung und Regeneration des menschlichen Organismus hat. Durchgeführt wurde die Blindstudie an über dreißig gesunden Erwachsenen, die man im Labor sowohl körperlichen als auch psychischen Belastungssituationen aussetzte. Dabei wurden alle Probanden mithilfe von wissenschaftlichen Messgeräten überwacht – u.a. wurden ihre Herzfrequenz und verschiedene andere vegetative Parameter gemessen und erfasst. Ebenso wurde die biologische Rhythmik der Erholung untersucht, wobei Messungen zur Befindlichkeit und zur subjektiv empfundenen Schlafqualität im Vordergrund standen.

Die Ergebnisse erwiesen sich als vielversprechend

Tatsächlich zeigten sich bei den verschiedenen Tests im Hinblick auf die Erholungsqualität sehr deutliche Unterschiede zwischen einem Zirbenholzzimmer und einem identisch gestalteten Holzdekorzimmer. Sowohl in körperlichen als auch in mentalen Belastungssituationen wurde in der Zirbenholzumgebung eine niedrigere Herzschlagrate gemessen. Dieser offenbar tatsächlich einsetzende beruhigende Effekt zeigte sich auch noch in den daran anschließenden Ruhe- und Erholungsphasen. Weiters konnten die Versuche zeigen, dass die subjektiv empfundene Schlafqualität in einem Zirbenholzbett deutlich besser ist als in einem Holzdekorbett.

Das Herz wird weniger belastet

Die Messungen der Wissenschaftler zeigten, dass der menschliche Körper in einer Zirbenholzumgebung und vor allem während des Schlafens in einem Zirbenholzbett mit weniger Herzschlägen das Auslangen findet. Die durchschnittliche Arbeitsersparnis für das Herz wurde mit etwa 3.500 Schlägen oder einer Stunde Herzarbeit pro Tag angegeben. Das fällt insbesondere deshalb ins Gewicht, weil das Herz in dieser Umgebung daher deutlich weniger belastet wird und daher auch weniger anfällig für Erkrankungen und Verschleißerscheinungen ist.

Sehr eindeutig fielen auch die Selbsteinschätzungen der Testpersonen aus. Sie berichteten über einen sehr erholsamen Schlaf und ein insgesamt besseres Allgemeinbefinden.

Zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten

Die besonderen Eigenschaften der Zirbe sind vor allem auf eine besonderen Mix an Inhaltsstoffen im Baum zurückzuführen. Die Vorteile sind daher nicht nur auf das Holz des Baumes beschränkt, sondern finden sich auch in den Zapfen und Nadeln. Entsprechend groß sind auch die Einsatzgebiete, auf denen die positiven Wirkungen von Zirbe zum Tragen kommen. Neben der Verwendung von Zirbenholz für den Möbelbau und die Ausstattung ganzer Räume, für Gebrauchsgegenstände und Aufbewahrungsbehälter für Lebensmittel, Schneidbrettl usw. kommt Zirbe u.a. auch in Form von Zirbenöl und Zirbensprays und in Form vom Sirup, Likören und Schnäpsen zum Einsatz.

Gerne verwendet werden auch Zirbenwasser, Zirbenspäne, Zirbenduftsäckchen, Zirbenkissen, Zirbenseife und Zirbenschokolade. Darüber hinaus gibt es viele weitere Einsatzgebiete für die Zirbe und ihre Inhaltsstoffe, über die man sich am besten in darauf spezialisierten Geschäften informiert.

Weitere Belege erforderlich

Trotz der Weizer Studie und aller positiven Bewerbung von Zirbenholz durch Möbelhersteller wird die positive Wirkung des Zirbenholzes auf den Schlaf als derzeit als nicht ausreichend belegt angesehen. Kritisiert wird, dass bisher nur ein wirklicher Forschungsbericht, nämlich der aus Weiz bzw. Graz vorliegt, und dass die Studie nur mit einer recht begrenzten Anzahl von Probanden durchgeführt wurde.

Zudem seien sowohl die Zirben-, als auch die Spannplattenbetten für den Test erst wenige Wochen vor dem Test hergestellt worden. Daher sei es durchaus denkbar, dass aus den Spanplatten ausgetretene Lösungsdämpfe den Schlaf beeinträchtigten.

So kommt etwa die auf die Untersuchung von Studien spezialisierte Plattform „Medizin-Transpartent.at“ noch im Dezember 2017 zu dem Schluss, dass die positive Wirkung von Zirbenholz auf den Schlaf nicht ausreichend belegt sei: „Ob Zirbenbetten tatsächlich für besseren Schlaf sorgen, müssen in Zukunft besser dokumentierte Studien an deutlich größeren Teilnehmerzahlen untersuchen.“

Mehr dazu: www.medizin-transparent.at

Zirben-Vorteile auf einen Blick

Die Zirbe hat verschiedene Vorteile zu bieten, die sich nicht nur auf ihr Holz beschränken, sondern durchaus auch in den Nadeln und den Zapfen des Baumes zu finden sind.

  • Die wichtigsten. von Zirbenholz-Fans häufig angeführten Vorteile im Überblick:
  • Zirbe verringert die Herzfrequenz in gesunder Weise. Das Herz muss weniger intensiv arbeiten und wird so auch deutlich weniger belastet.
  • Eine Zirbenholzumgebung verbessert nicht nur den Schlaf, sondern auch die Erholung nach körperlichen und geistigen Anstrengungen.
  • Zirbe reduziert bei vielen Menschen die Wetterfühligkeit und verbessert zugleich das Wohlbefinden und die Lebensqualität.
  • Aus Zirbe gewonnenes Öl (Zirbenöl) wirkt sich vorteilhaft auf das Raumklima aus und ist wohltuend für die Atmung.
  • Zirbenprodukte besitzen antibakterielle Eigenschaften, bremsen Schimmelbildung und helfen, Insekten und Ungeziefer fernzuhalten.

Werner Thelian