Über 28.000 Pflanzenarten besitzen Heilkräfte

Pflanzen werden zwar intensiv erforscht, ihre heilkräftigen Bestandteile aber noch viel zu wenig genutzt. Foto: CanStock Photo.

Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2017 weist weltweit Tausende von Pflanzenarten als heilkräftig aus. Das in ihnen verborgene und von der Medizin noch zu wenig genutzte Potenzial könnte sinnvoll gegen die unterschiedlichsten Krankheiten eingesetzt werden.

Weltweit sind mehr als 28.000 Pflanzenarten als heilkräftig einzustufen. Aber nur ein Bruchteil davon ist bisher in der medizinischen Forschung bekannt und noch viel weniger werden bereits tatsächlich genutzt. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung, an der insgesamt 128 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwölf Ländern mitgearbeitet haben. Ihre wichtigsten Erkenntnisse wurden in der Studie „State of the World’s Plants“ gesammelt und 2017 veröffentlicht.

Ein riesiges Potenzial für die Gesundheit

Demnach scheinen nur etwa 16 Prozent aller bisher bekannten Pflanzenarten mit heilkräftiger Wirkung in medizinischen Zeitschriften und Studien überhaupt auf. Damit, so die Forscher, verzichte man in der Medizin jedoch auf ein riesiges Potenzial, das zur Bekämpfung vieler Krankheiten eingesetzt werden könnte.

So würden aus Pflanzen gewonnene Substanzen ihre Wirksamkeit u.a. gegen so schwere und weitverbreitete Krankheiten wie Diabetes mellitus (die Zuckerkrankheit) und Herz-Kreislauferkrankungen entfalten.

Als konkrete Beispiele werden in der Studie die beiden Pflanzenwirkstoffe Artemisinin und Chinin genannt, die zu den „wichtigsten Waffen“ gegen die Infektionskrankheit Malaria gehören. An Malaria sind allein im Jahr 2015 weltweit mehr als 400.000 Menschen gestorben.

Von Bedeutung ist aber auch der Umstand, dass sich die Zahl der Pflanzen, die als heilkräftig gelten, von Jahr zu Jahr vergrößert. Immer wieder kommen Neuentdeckungen hinzu. So waren allein 2016 rund 1.730 zusätzliche Pflanzen mit heilkräftiger Wirkung zu verzeichnen. Unter ihnen befanden sich z.B. neun verschiedene Arten einer Kletterpflanze, die den Namen „Mucuna“ trägt. Deren Wirkstoffe wurden mittlerweile erforscht und werden bereits zur Behandlung von Parkinson eingesetzt.

Große Gefahren für den Pflanzenbestand

Weltweit sind jedoch auch zahlreiche Pflanzen mit wertvollen Inhaltsstoffen in ihrer Existenz ernsthaft bedroht. Viele Arten sind wohl bereits ausgestorben, noch ehe sie überhaupt entdeckt und untersucht werden konnten.

Zu den größten Gefahren für den weltweiten Heilpflanzenbestand zählen die extreme wirtschaftliche Nutzung des Regenwaldes – besonders viele medizinisch brauchbare pflanzliche Wirkstoffe kommen aus diesem Bereich – und die Folgen, die der globale Klimawandel mit sich bringt. So sind etwa viele Heilpflanzen in Europa mittlerweile durch neu und verstärkt auftretende Schädlinge wie Heuschrecken und Raupen bedroht.

Werner Thelian

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