Die geheimnisvollen Kräfte des Bienenhonigs werden erforscht

Bienenhonig ist ein hochwertiges und entsprechend kostbares Produkt aus der Natur. Längst haben auch Wissenschaftler ihr Interesse für die besonderen Fähigkeiten des Honigs entdeckt. Foto: CanStock Photo.

Bienenprodukte wie Honig, Propolis und Gelee Royal sind bei vielen Menschen beliebt. Aber auch Wissenschaftler und Ärzte interessieren sich dafür, was hinter den oft behaupteten Supereigenschaften dieser Naturprodukte steckt. Ein Überblick.

Bienenprodukte wie Honig oder Propolis standen wohl schon vor Jahrtausenden auf dem Speiseplan unserer Vorfahren. Und fast ebenso lange werden sie bereits zu Heilzwecken eingesetzt. Obwohl vieles aus weit zurückliegender Zeit wohl für immer verloren ging, weiß man zumindest, dass schon Ärzte im alten Ägypten Bienenhonig einsetzten, um Verletzungen und Wunden zu heilen. Dabei nützten sie vor allem die antibakterielle Wirkung von Honig und Propolis, ohne freilich über Bakterien und andere mikroskopisch kleine Entzündungs- und Krankheitserreger etwas zu wissen. Aber die Erfolge, die sie mit solchen Behandlungen erzielten, gaben ihnen Recht.

Die Geheimnisse des Honigs werden entschlüsselt

Seit einiger Zeit arbeitet man auch in modernen Forschungslaboratorien daran, die ebenso bemerkenswerten wie rätselhaften Eigenschaften der Bienenprodukte zu entschlüsseln. So konnte nachgewiesen werden, dass Honig – zumindest im Reagenzglas und in der Petrischale – gegen unterschiedlichste Krankheitserreger wirkt. Und zwar, ohne dass die Bakterienstämme im Laufe der Zeit Widerstandskräfte gegen den Honig entwickeln, also resistent werden.

Seit Jahrtausenden beschäftigen sich Menschen mit Bienen, um deren kostbare Produkte zu gewinnen. Schon bei den alten Ägyptern wurden Honig, Propolis und Gelee Royal auch für medizinische Zwecke eingesetzt. Foto: CanStock Photo.

Seit Jahrtausenden beschäftigen sich Menschen mit Bienen, um deren kostbare Produkte zu gewinnen. Schon bei den alten Ägyptern wurden Honig, Propolis und Gelee Royal auch zu medizinischen Zwecke eingesetzt.
Foto: CanStock Photo.

Bei Tierversuchen, u.a. mit Mäusen, wurde gezeigt, dass durch Aufbringen von Bienenhonig die Heilung von Wunden deutlich beschleunigt werden kann. Obwohl sich die Ergebnisse von Labor- und Tierversuchen nicht immer zu 100 Prozent auf den Menschen umlegen lassen, sind immer mehr Wissenschaftler und Ärzte der Ansicht, dass Honig und Co. auch in der Medizin nutzbar sind.

Vorteile bei der Behandlung von Wunden

So ist vor allem die positive Wirkung von Honig bei der äußeren Behandlung bestimmter Wunden und bei Verbrennungen zweiten Grades mittlerweile gut belegt. Nun untersuchen Forscher, ob diese günstigen Eigenschaften auch bei der Behandlung von größeren Wunden, bei Operations- und Kaiserschnittwunden sowie bei chronischen und daher nur schwer zu heilenden Wunden zum Tragen kommen. Die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen sind zwar recht vielversprechend, lassen aber noch keine abschließende Beurteilung zu.

Als gesichert gilt jedoch, dass Honig bei Verbrennungen zweiten Grades etliche Vorteile bringt. Bei Verbrennungen dieser Art sind die oberen Hautschichten betroffen. Die Heilungsdauer konnte mithilfe von Bienenhonig deutlich verkürzt werden. Gegenüber herkömmlichen einfachen Verbänden dauerte der Heilungsprozess bei der Anwendung von Honig um durchschnittlich vier bis fünf Tage kürzer. Die an den Versuchen beteiligten Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Honig bei Verbrennungen zweiten Grades zumindest als ebenso wirksam erweist wie vergleichbare Spezialsalben.

Wie der Bienenhonig heilt
Die positive Wirkung des Bienenhonigs bei Verbrennungen und Verletzungen wird vor allem auf die keimhemmende Wirkung dieses Naturprodukts zurückgeführt. Bienenhonig besteht größtenteils aus Traubenzucker, Fruktose und Wasser, beinhaltet aber auch Aminosäuren, Vitamine, Mineralien und Enzyme.
Obwohl man noch nicht ganz genau weiß, wie der Honig und seine Inhaltsstoffe im Detail auf Wunden einwirken, nimmt man an, dass u.a. die Feuchtigkeitsbildung der Wunde beeinflusst und damit die Bildung von neuem Gewebe begünstigt wird. Zugleich werden Entzündungen gehemmt.

Antibakterielle Wirkung
Nachgewiesen ist, dass Bienenhonig Inhaltsstoffe enthält, die gegen verschiedene Keime, v.a. Bakterien, wirken, ohne dass diese gegen Honig resistent werden. Man hat sogar beobachtet, dass Honig auch Bakterienstämme hemmt, die auf Antibiotika bereits nicht mehr ansprechen. In diesem Bereich wird derzeit besonders intensiv geforscht.

Neue Tests sind geplant

Weniger gut erforscht sind bisher die Wirkungen von Honig und anderen Bienenprodukten, wenn es um die Versorgung kleinerer, frischer Verletzungen (z.B. Abschürfungen) geht. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Honig nicht auch in solchen Fällen einige seiner Stärken ausspielen könnte. Auf jeden Fall sind Honigverbände meistens gut verträglich, obwohl es ab und zu auch Fälle gibt, in denen die natürlichen Inhaltsstoffe des Honigs zu Juckreiz und Schmerzen führen.

Die „Honig-Forschung“, die derzeit gewissermaßen einen Boom erlebt, hat jedenfalls noch einiges aufzuklären. So soll u.a. erforscht werden, ob Honig nach einer Mandel­operation die typischen Schmerzen im Rachen tatsächlich lindert und ob Honig vielleicht sogar eine brauchbare Möglichkeit ist, um Operations- und Kaiserschnittwunden besser keimfrei zu halten.

Honig ist nicht gleich Honig. Es gibt durchaus Unterschiede
Die bisherigen Untersuchungen zeigten auch, dass Honig nicht gleich Honig ist. Die verschiedenen Bienenhonigsorten unterscheiden sich nämlich nicht nur in ihrer Farbe und ihrem Geschmack, sondern offenbar auch in ihren heilenden Eigenschaften. Wie wirksam eine bestimmte Honigsorte bei der Behandlung von Wunden und Verbrennungen tatsächlich ist, hängt demnach in erster Linie von den Pflanzen ab, in deren Blüten die Bienen den Nektar gesammelt haben.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bienenhonigsorten können recht groß sein. So haben Wissenschaftler bei einem Test 19 verschiedene Sorten unter die Lupe genommen– bis auf zwei stammten alle Produkte aus dem Supermarkt – und dabei festgestellt, dass nur bei neun eine antibakterielle Wirkung tatsächlich nachzuweisen war.

Allergische Reaktionen sind immer möglich

Auch wenn der Honig und andere Bienenprodukte in vielerlei Hinsicht Vorteile für die Gesundheit bringen, ist zugleich auch ein gewisses Maß an Vorsicht geboten. Es gibt nämlich durchaus Gefahren, an die man gerade bei so natürlichen Produkten wie Honig nicht immer denkt. Fachleute raten jedenfalls, dass zumindest Allergiker beim Ausprobieren von Honigverbänden usw. vorsichtig sein sollten. Gerade weil Honig ein natürliches Produkt ist, sind allergische Reaktionen zumindest prinzipiell möglich. Das trifft insbesondere auch auf Propolis und Gelee Royal zu, die bei empfindlichen, sensibilisierten Personen schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. Fachleute schätzen, dass etwa drei Prozent der Bevölkerung auf das Bienenharz Propolis allergisch reagieren.

Werner Thelian