Alfred Nobel: Millionen für den medizinischen Fortschritt

Foto: CanStock Photo
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Der Nobelpreis für Medizin wird seit 1901 alljährlich vergeben und ist die größte und bedeutendste Auszeichnung auf dem Gebiet der physiologischen und medizinischen Forschung. Wie die Nobelpreise für Chemie, Physik, Friedensbemühungen und Literatur geht er direkt auf den schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel (1833 – 1896) zurück.

Alfred Nobel wurde am 21. Oktober 1833 in Schwedens Hauptstadt Stockholm geboren. Sein Vater Immanuel Nobel war Ingenieur, Erfinder und Architekt und brachte es zu einem Vermögen. Alfreds Mutter Carolina schenkte acht Kindern das Leben, von denen aber nur vier Söhne das Erwachsenenalter erreichten. Alfred, der Drittälteste, wurde von Privatlehrern unterrichtet, ehe er Schulen in Schweden und Russland besuchte. Das von seinen Lehrern und aus Büchern erworbene Wissen vertiefte er auf Reisen in verschiedene europäische Länder und in die Vereinigten Staaten von Amerika. Als er nach Stockholm zurückkehrte, hatte er längst schon den Plan gefasst, sich mit der Entwicklung und Herstellung von Sprengstoffen zu beschäftigen.

Die Erfindung eines anderen

Auf seinen Reisen hatte Alfred Nobel auch den Turiner Chemiker und Arzt Ascanio Sobrero (1812 – 1888) und dessen Erfindung, das Nitroglycerin, kennengelernt. Diese ölige Flüssigkeit übertraf die Sprengkraft des bisher gebräuchlichen Schwarzpulvers bei Weitem. Man sagte, dass schon ein kleiner Tropfen genüge, um ein ganzes Haus zu zerstören. Sobrero, der Erfinder, hatte selbst sehr unangenehme Erfahrungen mit seiner Entdeckung gemacht und bei Experimenten mit Nitroglycerin schwere Gesichtsverletzungen erlitten. Er stufte seine Erfindung daher als viel zu gefährlich für die praktische Anwendung ein. Jahrelang wurden nur sehr kleine Mengen davon und fast ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke hergestellt.

Ein Geistesblitz mit Folgen

Alfred Nobel war jedoch, soweit es die Bedeutung und die Anwendungsmöglichkeiten des Nitroglycerins betraf, ganz anderer Ansicht. Er suchte nach Möglichkeiten, um die enorme Explosionskraft der hochempfindlichen Flüssigkeit unter Kontrolle zu bringen und so für die Sprengtechnik nutzbar zu machen.

Nach zahllosen Versuchen gelang ihm 1867 der Durchbruch. Nobel kam auf die Idee, Nitroglycerin in Kieselerde aufzusaugen und erfand damit „Dynamit“. Dieses neue Sprengmittel, das zwar noch immer sehr gefährlich war, aber viel sicherer transportiert und angewendet werden konnte, ließ er patentieren und begann schon bald darauf mit der industriellen Verwertung. Während sich Ascanio Sobrero, der eigentliche Nitroglycerin-Erfinder, um den Ruhm und den finanziellen Erfolg gebracht fühlte, fand Nobels Dynamit rasch immer mehr Einsatzgebiete: u.a. als Sprengmittel beim Bau von Tunneln, Eisenbahnen, Straßen und im Bergbau.

Nobel besaß schließlich mehr als ein Dutzend Unternehmen in verschiedenen europäischen Ländern und in den USA. Er sicherte sich im Laufe seines Lebens über 350 Patente, war als Erfinder und Unternehmer weltweit berühmt und einer der reichsten Männer seiner Zeit.

Der Einfluss einer heute berühmten Österreicherin

Alfred Nobel war mit der österreichischen Pazifistin Bertha von Suttner (1843 – 1914) bekannt und befreundet. Bertha war in Paris seinerzeit knappe zwei Wochen lang Nobels Privatsekretärin gewesen und wurde von dem berühmten Mann seither vor allem für ihre Intelligenz und ihren Einsatz für den Frieden geschätzt und bewundert. Ihrem Einfluss war es zumindest teilweise zu verdanken, dass dieser überaus reiche Mann schließlich den Entschluss fasste, einen hoch dotierten Preis für den internationalen Frieden zu stiften.

Alfred Nobel litt schon seit langer Zeit unter Selbstzweifeln und Gewissensqualen. Nicht nur, dass es immer wieder zu schweren Unfällen mit „seinem“ Dynamit kam – auch sein jüngerer Bruder war einst bei einer Sprengstoffexplosion ums Leben gekommen –, Nobel musste auch mit ansehen, dass seine für den Fortschritt und friedliche Projekte gedachte Erfindung mehr und mehr auch zu militärischen Zwecken und bei Sprengstoffattentaten eingesetzt wurde.

Unter Bertha von Suttners Einfluss fand er einen seiner Meinung nach einigermaßen akzeptablen Ausweg. Er, der kinderlos geblieben war, vermachte sein gewaltiges Vermögen einer eigens gegründeten Stiftung, die aus den Zinsen und sonstigen Erträgen den „Nobelpreis“ finanzieren sollte.

Alfred Nobel verfügte in seinem Testament, dass der Preis alljährlich denjenigen Personen gebühre, die „im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.“ Nobel starb am 10. Dezember 1896 in San Remo in Italien an einer Gehirnblutung.

Die ersten Nobelpreise

Die Abwicklung von Nobels Nachlass gestaltete sich zunächst langwierig, aber schließlich setzte man seine testamentarischen Verfügungen um. Von 1901 an konnte der bis heute hoch dotierte Preis jedes Jahr für besondere Leistungen auf mehreren Gebieten vergeben werden.

Neben den wissenschaftlichen Nobelpreisen für Physik, für Chemie und für Medizin (genauer „Physiologie oder Medizin“) werden seither auch Nobelpreise für Literatur und für Friedensbemühungen verliehen. Mit dem Friedensnobelpreis, der übrigens 1905 an Bertha von Suttner ging, können nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Organisationen und Gruppierungen ausgezeichnet werden. Erst 1969 kam der Wirtschaftsnobelpreis dazu, der von der Schwedischen Reichsbank gestiftet wurde.

Als ersten Medizinnobelpreisträger wählte das Nobelpreis-Komitee 1901 den deutschen Arzt und Forscher Emil von Behring (1854 – 1917) aus. Behring, ein ehemaliger Mitarbeiter und Kollege von Robert Koch, erhielt den Preis für seine Arbeiten zur Serumtherapie. Behring hatte gefährlichen Infektionskrankheiten, u.a. Tetanus, den Kampf angesagt. Wegen seines großen Erfolges gegen die damals weit verbreitete Diphtherie nannte man ihn auch „Retter der Kinder“.

Bis heute werden die ausgewählten Nobelpreisträger im Laufe des Jahres bekannt gegeben und die Preise am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm bzw. in Oslo (Friedensnobelpreis) überreicht. Derzeit beträgt das Preisgeld für jede Kategorie 9 Millionen schwedische Kronen, also ca. 940.000 Euro.

Werner Thelian