Kindersicherheit: Damit der Badespaß nicht zur Tragödie wird

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Für viele Kinder gibt es im Sommer wohl kaum etwas Vergnüglicheres, als bei schönem Wetter im Wasser zu planschen. Aber leider lauern auch beim sommerlichen Badespaß ernste Gefahren auf die Kleinen. Jedes Jahr verunglücken Kinder beim Baden in Seen, Freibädern und Pools oder beim Spielen und Herumtollen an Flüssen, Bächen und Teichen. Der beste Schutz dagegen sind vorsichtige und aufmerksame Eltern und Erziehungsberechtigte.

Wie häufig auch hierzulande im Sommer Schwimm- und Badeunfälle passieren, kann man leider ständig den Nachrichten entnehmen. Neben Erwachsenen sind oft auch Kinder betroffen. Obwohl manche davon gerade noch Glück haben und relativ glimpflich davon kommen, ist das leider nicht immer der Fall. Das zeigen auch die Unfallstatistiken, die Ertrinken bei Kindern als die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache ausweisen.

Ohne Aufsicht geht es nicht

Damit also der sommerliche Badespaß nicht plötzlich zur Tragödie wird, müssen Eltern und andere Aufsichtspersonen unbedingt einige wichtige Vorsichtsregeln beachten. Die wichtigste: Niemals und unter gar keinen Umständen darf man Kinder im Wasser oder in der Nähe von Schwimmbecken und Gewässern aus den Augen lassen. Denn der Ertrinkungstod kommt fast immer plötzlich und lautlos.

Die Gefahr des Ertrinkens ist bei Kindern schon aus physiologischen Gründen besonders groß. Fällt etwa ein Kleinkind unbemerkt mit dem Kopf ins Wasser, kann im Körper eine Art Schockreaktion, der sogenannte „Totstellreflex”, ausgelöst werden. Dann kann es leicht passieren, dass das Kind völlig lautlos und von den gerade unaufmerksamen Eltern und anderen Erwachsenen unbemerkt untergeht. Die Gefahr, auf diese stille Weise zu ertrinken, besteht übrigens nicht nur beim Baden im See, im Plansch- oder im Schwimmbecken, denn gerade bei Kleinkindern reichen schon wenige Zentimeter Wassertiefe aus, um die gefährliche Reaktion auszulösen. Mit dem Gesicht in eine Wasserpfütze zu fallen, kann schon genügen.

Erste Hilfe bei Badeunfällen

Sollte sich trotz aller dringend erforderlichen Vorsicht ein Badeunfall ereignen, so ist das Unfallopfer – ob Kind, Jugendlicher oder Erwachsener – so rasch wie möglich aus dem Wasser zu bergen. Unmittelbar danach muss die Rettung verständigt werden.

Bis zum Eintreffen der Rettung sind Erste-Hilfe-Maßnahmen zu leisten. Die Atemwege müssen überprüft und freigemacht werden. Bei Bewusstlosigkeit ist der oder die Betroffene in die stabile Seitenlage zu bringen. Bei unzureichender Atmung oder bei Kreislaufstillstand ist jedoch sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen. Auch eine Unterkühlung muss auf jeden Fall vermieden werden.

Der oder die Betroffene, ob bei Bewusstsein oder nicht, muss bis zum Eintreffen der Rettungskräfte unablässig betreut werden. Selbst dann, wenn es dem Unfallopfer nach der Bergung und den Erste-Hilfe-Maßnahmen scheinbar wieder gut geht, ist eine weitere Abklärung im nächsten Krankenhaus unbedingt erforderlich. Andernfalls kann es nämlich auch noch viele Stunden später zu sehr ernsten Zwischenfällen kommen. Bei einem sogenannten „sekundären Ertrinken” kann der Tod noch innerhalb einer Zeitspanne von 24 bis 48 Stunden nach dem eigentlichen Badeunfall plötzlich eintreten.

Sieben wichtige Sicherheitsregeln

  • Ständige Aufsicht: Kinder niemals ohne Aufsicht im oder am Wasser lassen, und zwar auch dann nicht, wenn sie Schwimmhilfen tragen. Das gilt für Pool, Biotop, Teich, Planschbecken usw. ebenso wie für die Badewanne. Auch Wassertonnen sind eine Gefahrenquelle.
  • Zaun: Swimmingpool, Biotop und Teich am eigenen Grundstück sollten durch einen Zaun mit entsprechender Höhe gesichert sein. Die Tür immer geschlossen halten.
    Schwimmen lernen: Kinder sollen so früh wie möglich schwimmen lernen – am besten bei einem Kinderschwimmkurs. Auch wenn die Kinder schon schwimmen können, müssen sie immer beaufsichtigt werden. Erst ab einem Alter von 10 Jahren sind Kinder wirklich sichere Schwimmer.
  • Schwimmhilfen: Diverse Schwimmhilfen (z.B. Schwimmflügel) sind nützliche Helfer, wenn sie richtig angelegt werden und den gültigen Normen entsprechen. Trotzdem ist die elterliche Aufsicht unverzichtbar.
  • Erste-Hilfe-Kurs: Es gibt spezielle Erste-Hilfe-Kurse für das richtige Verhalten bei Kindernotfällen. Erwachsene sollten – nicht nur wenn sie selbst Eltern sind – von einem solchen Angebot Gebrauch machen.
  • Beratung beim Arzt: Für Kinder mit Erkrankungen wie Epilepsie und Autismus gelten auch beim Schwimmen besondere Vorsichtsregeln. Eltern sollten darüber mit dem Arzt sprechen.
    Richtiges Verhalten: Auch Jugendliche und Erwachsene sollten niemals in unbekannte Gewässer springen. Alkoholkonsum ist beim Badespaß strikt tabu – auch für Erwachsene.
Werner Thelian