Mit einer Stammzellenspende Leben retten

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In Österreich erhalten jedes Jahr etwa 700 Menschen die Diagnose Leukämie. Für viele Betroffene gibt es jedoch gute Chancen, mithilfe fremder Stammzellen geheilt zu werden. Allerdings ist diese für den Spender wenig aufwendige Möglichkeit, Leben zu retten, hierzulande noch immer nicht ausreichend bekannt.

Eine Stammzellenspende dauert normalerweise nicht länger als höchstens sechs Stunden, kann danach jedoch Leben retten. Die österreichische Stammzellendatei, die sich seit 2015 an der Medizinische Universität Wien befindet und davor als gemeinnütziger Fonds organisiert war, verzeichnet derzeit rund 66.000 Menschen aus ganz Österreich. Der Großteil kommt mit 46.000 potenziellen Stammzellenspendern jedoch aus Wien. Jedes Jahr kann 200 österreichischen Patienten und etwa 17.000 Patienten aus Europa mit einer allogenen Stammzellenspende geholfen werden.

Einsatz bei Erkrankungen des blutbildenden Systems

Benötigt werden Stammzellenspenden vor allem für Patienten mit akuter Leukämie, aber auch Tumoren des Lymphgewebes und des Knochenmarks. Bei diesen schweren Erkrankungen, die das blutbildende System im menschlichen Körper betreffen, kann jede Stammzellenspende Leben retten. Dazu müssen jedoch geeignete freiwillige Spender in der nationalen und den internationalen Datenbanken zu finden sein. Der umso wichtigere Ausbau der österreichischen Datenbank erfordert jedoch auch finanzielle Mittel. So kostet jede einzelne Stammzellenspender-Bestimmung 50 Euro, wobei diese Kosten teilweise vom Bund (für die ersten 240 Bestimmungen pro Jahr), teilweise von privaten Sponsoren getragen werden.

Wissenswertes über die Stammzellenspende

Nachdem ein potenzieller Spender sich gemeldet und seine Bereitschaft bekundet hat, ist eine Einverständniserklärung zu unterschreiben. Danach wird Blut abgenommen, um aus der Erbsubstanz 14 Gewebemerkmale zu bestimmen. Nach dieser Typisierung werden die Daten des freiwilligen Spenders in die Datenbank aufgenommen. Die österreichischen Daten sind gleichzeitig Bestandteil des internationalen Datenpools, der gegenwärtig etwa 30 Millionen Spendewillige umfasst.

In die Datenbank kommen jedoch ausschließlich Menschen, die gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Sie müssen bei der Neuaufnahme zwischen 18 und 45 Jahre alt und vollständig gesund sein. Weiters dürfen sie weder sehr über- noch untergewichtig sein (Frauen: 55 bis 100 kg, Männer 60 bis 110 kg). Danach bleibt man bis zum 55. Lebensjahr in der Datenbank vorgemerkt.

Ergeben die regelmäßigen Abgleiche einen Patienten, der zu einem vorgemerkten Spender passt, wird erneut eine Einverständniserklärung eingeholt. Ist der Spender weiterhin zur Spende bereit und sind auch sonst alle Voraussetzungen gegeben, wird dem Spender an der MedUni Wien bzw. am AKH Wien an einer computergesteuerten Pherese-Maschine Blut abgenommen. Daraus werden die benötigten Stammzellen abgetrennt, während der Spender das Blutplasma und die roten Blutkörperchen wieder zurück erhält.

Die Spende dauert normalerweise vier bis höchstens sechs Stunden, ist anonym und schmerzfrei und erfolgt nach einer entsprechenden Vorbereitung mit einem Medikament, das die Blutbildung anregt. Nebenwirkungen gibt es keine. Nach der Spende können die Spender gleich wieder nach Hause.

Wissenswertes

Bei einer Stammzellenspende kommt es darauf an, unter den eingetragenen freiwilligen Spendern einen passenden zu finden. Die allerbeste Chance, dass zwei Menschen gewebeverträglich sind, besteht übrigens bei Geschwistern. Danach wird die Wahrscheinlichkeit jedoch schon sehr klein. Umso wichtiger ist es, weltweit möglichst viele potenzielle Stammzellenspender zu erfassen.

Anonymität bleibt gewahrt

Eine Stammzellenspende erfolgt immer anonym. Der Spender erfährt nichts über die Person des Patienten, der Patient nichts über den Spender. Nur in Ausnahmefällen darf diese Anonymität mehrere Jahre nach einer erfolgreichen Transplantation und nur auf ausdrücklichen Wunsch beider Beteiligten gelockert und schließlich aufgehoben werden.

Weitere Infos über die Stammzellenspende und Anmeldemöglichkeiten findet man auch im Internet: https://www.stammzellspende.cc.

Werner Thelian