Risiko Altersblindheit

Tiefblaue Augen, die meist als besonders attraktiv gelten, neigen eher zur Altersblindheit als dunkle. Foto: Can Stock Photo

Menschen mit dunklerer, stärker pigmentierter Haut erleiden nicht nur seltener einen Sonnenbrand, sondern sind auch besser gegen die gefürchtete Altersblindheit geschützt. Forscher haben diesen bisher weitgehend ungeklärten Zusammenhang genauer unter die Lupe genommen und die Gründe zumindest teilweise entschlüsselt. Demnach geht die schützende Wirkung vom körpereigenen Farbstoff Melanin aus, der nicht nur über Haut- und Augenfarbe bestimmt, sondern auch die krankhafte Neubildung von Blutgefäßen im Auge hemmt.

Augenerkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter, wie etwa die relativ häufige Altersbedingte Makuladegeneration (AMD), können zu einem übermäßigen und daher krankhaften Wachstum von Blutgefäßen im Auge führen. Durch die damit einhergehende Zerstörung von Nervenzellen der Netzhaut, die nicht selten auch von Blutungen (bei der „feuchten” Form der Makuladegeneration) begleitet wird, kommt es zum so gefürchteten fortschreitenden Sehverlust und im Laufe der Zeit bei vielen Betroffenen zur praktischen Erblindung. Schon in der Vergangenheit haben Studien immer wieder gezeigt, dass eine dunklere Augen- und Hautfarbe das Risiko, im Alter zu erblinden, offenbar beträchtlich senkt. Verantwortlich dafür ist das Farbpigment Melanin, das nicht nur über den Helligkeitsgrad der Haut, sondern auch über die Farbe der Augen bestimmt.

Während Neugeborene zunächst fast immer helle, meist blaue Augen haben, lässt sich die tatsächliche Augenfarbe des Kindes erst nach einigen Monaten genau bestimmen. Je nachdem wie viel Melanin in die Zellen der Iris (Regenbogenhaut) eingelagert wird, erscheinen die Augen als dunkler oder heller. Eine höhere Melaninkonzen­tration bewirkt also braune oder dunkelbraune Augen, bei weniger Melanin sind die Augen grün oder grau. Am wenigsten Melanin ist bei blauen Augen vorhanden.

US-amerikanischen Forschern ist es gelungen, jenen Schutzmechanismus, den eine dunklere Haut- und Augenfarbe mit sich bringt, zu entschlüsseln. Wenn die Pigmentzellen der Haut und der Augen, die sogenannten Melanozyten, nämlich nur wenig Melanin produzieren und die Augen daher heller sind, wird im Gegenzug verstärkt das Protein Fibromodulin freigesetzt. Dieses wiederum provoziert, wie man in einer Reihe von Versuchen zeigen konnte, die Bildung neuer Blutgefäße im Auge, die damit einhergehende Zerstörung von Nervenzellen und damit die Entstehung und das Fortschreiten einer Makuladegeneration. Ist dagegen mehr Melanin vorhanden, wird die Bildung neuer Blutgefäße von vornherein gehemmt. Das Auge ist so besser gegen die Makuladegeneration geschützt.

Die Forscher vom Children’s Hospital in Bos­ton, die ihre Ergebnisse im „Journal of Clinical Investigation” veröffentlicht haben, sehen im Einsatz von Wirkstoffen, die Fibromodulin hemmen, einen erfolgreichen Therapieansatz gegen die Altersblindheit. Und mehr noch: Derartige Wirkstoffe können auch erfolgreich bei der Behandlung von „schwarzem” Hautkrebs (malignes Melanom) eingesetzt werden. Der „schwarze” Hautkrebs, der aus den Pigmentzellen der Haut entsteht, ist wie jeder Tumor auf die Neubildung von Blutgefäßen angewiesen. Wird diese erfolgreich bekämpft, wird auch das Melanom in seinem Wachstum behindert.

Werner Thelian