Krebs ist die zweithäufigste Todesursache

Brustkrebs und Prostatakrebs zählen neben Lungen- und Darmkarzinomen zu den häufigsten Krebserkrankungen in Österreich. Foto: CanStock Photo.

Krebs ist in Österreich nach den Herz-Kreislauferkrankungen noch immer die zweithäufigste krankheitsbedingte Todesursache überhaupt. Trotzdem konnte der gefürchteten Krankheit, die durch ein enormes Wachstum von Zellen gekennzeichnet ist, gerade in den letzten Jahren einiges von ihrer einstigen Unabänderlichkeit genommen werden. Immer wirkungsvollere Vorsorge- und Früherkennungsprogramme, intensive Forschung auf dem Gebiet der Onkologie und moderne Krebstherapien, die in Österreich flächendeckend zur Verfügung stehen, haben die Heilungs- und Überlebenschancen deutlich verbessert. Trotzdem bleibt in puncto Krebs noch immer viel zu tun.

„Krebs ist nicht eine Krankheit, sondern viele Krankheiten. Wir sprechen kollektiv von Krebs, weil allen diesen Krankheiten ein Wesensmerkmal gemeinsam ist: das abnorme Wachstum von Zellen”, schreibt der indisch-amerikanische Arzt und Wissenschaftler Siddhartha Mukherjee in seinem mit dem Pulitzerpreis 2011 ausgezeichneten Buch „Der König aller Krankheiten: Krebs – eine Biografie”. Und wie es einer Biografie entspricht, zeichnet der Krebsforscher und Assistenzprofessor an der Universität Columbia v.a. die Geschichte einer Krankheit nach, die keineswegs nur die Menschen des 20. und 21. Jahrhunderts so sehr plagt.

Krebs ist sogar eine besonders alte Krankheit, mit der sich Patienten und Ärzte schon sei Jahrtausenden herumschlagen. Weil die Menschen der Antike jedoch meistens nicht alt genug wurden, um an Krebs zu erkranken, sondern schon vorher von Schwindsucht, Pocken, Pest, Cholera, Lepra, Lungenentzündung oder Ödemen dahingerafft wurden, konnte der Krebs tatsächlich erst in modernerer Zeit, als die Lebenserwartung zu steigen begann, sein Schreckenswerk voll entfalten.

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Die Bezeichnung der Krankheit als „Krebs” tauchte übrigens schon um 400 v. Chr. in der medizinischen Literatur auf, als Hippokrates, der große Stammvater der Ärzte, von einem Brustgeschwür an die kreisförmig abgespreizten Beine des Krustentiers erinnert wurde. Der Name hielt sich auch deshalb hartnäckig, weil es noch viele weitere Ähnlichkeiten gibt: u.a. kommt es den Betroffenen oft so vor, als schneide der Krebs langsam in den Körper, und tatsächlich versucht er sich schleichend auszubreiten und nach und nach das gesamte System in Form von Metastasen zu erfassen.

Das plötzlich beschleunigte Wachstum der Zellen und deren Ausbreitung haben die Ärzte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder vor große und letztlich oft unüberwindbare Aufgaben gestellt. Während man noch im Mittealter und in der frühen Neuzeit versuchte, dem Krebs mit Aderlass und allerlei Wundermitteln zu Leibe zu rücken, verfolgte man später vor allem zwei Strategien: den Tumor entweder chirurgisch zu entfernen oder ihn mit Röntgenstrahlen zu verbrennen. Beides brachte Nachteile mit sich und war nur sehr selten auch auf Dauer erfolgreich. Der Krebs ließ sich zwar entfernen oder zog sich zurück, kehrte jedoch meist nach einiger Zeit wieder. Das 20. Jahrhundert brachte schließlich immer modernere und wirkungsstärkere Krebstherapien hervor – von der Entwicklung der Chemotherapie, die dem Krebs mit kombinierten Wirkstoffen zu Leibe rückt, bis zur modernen Errungenschaft der Antikörpertherapie, bei der die Tumorzellen gezielt angegriffen, die gesunden Zellen jedoch verschont werden.

Eine der gefürchtetsten Krankheiten unserer Zeit

Krebs ist in seinen verschiedenen Formen und Ausprägungen eine der gefürchtetsten und zugleich häufigsten Krankheiten unserer Zeit. Fachleute gehen davon aus, dass – statistisch gesehen – jeder zweite Mensch einmal im Leben an Krebs erkrankt.

Laut Statistik Austria, die das österreichische Krebsregister führt und regelmäßig aktuelle Entwicklungen und Ergebnisse publiziert, erhalten jedes Jahr rund 39.000 Österreicherinnen und Österreicher die zweifellos erschreckende Diagnose „Krebs”. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. In Österreich stellen bösartige Tumorerkrankungen nach den Herz-Kreislauferkrankungen die zweithäufigste krankheitsbedingte Todesursache dar. Aber: In Österreich und in Deutschland wird die Hälfte der an Krebs erkrankten Menschen dauerhaft geheilt.

Dass die so weit verbreitete Gruppe der Krebserkrankungen, die Menschen beider Geschlechter und praktisch jeden Alters betreffen können, in den letzten Jahren einiges von ihrem einstigen Schrecken und vor allem ihrer Unabänderlichkeit eingebüßt hat, ist vor allem der intensiven weltweiten Forschung zu verdanken. Durch die immer bessere internationale Vernetzung und Zusammenarbeit können die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Onkologie (die Wissenschaft vom Krebs) auch immer rascher für die Behandlung der Patienten genützt werden. Neben neuen und ausgereiften Behandlungskonzepten, die neben der operativen und medikamentösen Versorgung alle relevanten therapeutischen Möglichkeiten bis hin zur onkologisch-psychologischen Betreuung ausschöpfen, kommen mittlerweile auch immer bessere und zuverlässigere Methoden der Früherkennung zum Einsatz. Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Obwohl die Zahl der Krebsdiagnosen auch hierzulande weiter steigt, was vor allem auf das engmaschige Netz der Früherkennung (Screening) zurückgeführt wird, sind die Todesraten bei allen Krebsformen deutlich gesunken. Weil in Österreich die moderne Krebsbehandlung flächendeckend zur Verfügung steht und somit jede Patientin und jeder Patient unmittelbar davon profitiert, können heute viel mehr Leben als früher verlängert und in ihrer Lebensqualität verbessert werden. So liegt Österreich im Hinblick auf die statistisch aussagekräftige 5-Jahre-Überlebensrate bei fast allen Krebsformen zumindest im EU-Durchschnitt und nimmt bei den recht häufigen Lungen-, Prostata- und Nierenkarzinomen europaweit sogar den ersten Platz ein.

Es bleibt noch einiges zu tun

Auch die Österreichische Krebshilfe, die bundesweit mit den medizinischen und therapeutischen Einrichtungen, der wissenschaftlichen Forschung und den Verantwortlichen des Gesundheitssystems zusammenarbeitet, betont durch ihren Präsidenten Paul Sevelda, dass sich die Rahmenbedingungen für Krebspatienten hierzulande deutlich verbessert haben. Dennoch, so Sevelda, bleibe noch immer viel zu tun. So gehe es u. a. darum, die Rückkehr oder Teil-Rückkehr von Krebspatienten in den Arbeitsprozess zu verbessern und darüber hinaus eine flächendeckende palliativmedizinische Versorgung von Patienten im Endstadium der Erkrankung zu gewährleisten. Ein weiteres wichtiges Ziel sei auch die vollinhaltliche Umsetzung des Rauchverbotes in der Gastronomie und die Verstärkung aller Maßnahmen, die Jugendlichen den Zugang zum Rauchen erschweren.

Welche Krebsformen in Österreich besonders häufig sind

Obwohl aufgrund der Alterspyramide sowohl die Diagnose- als auch die Todeszahlen bei Krebserkrankungen weiterhin ansteigen, sinkt zugleich das Risiko, überhaupt an Krebs zu erkranken bzw. daran zu sterben. Zu den in Österreich am häufigsten vorkommenden Tumorerkrankungen zählen Darm-, Lungen-, Brust- und Prostatakrebs, die gemeinsam für mehr als die Hälfte aller Krebsfälle hierzulande verantwortlich sind. Bei den Männern ist der Prostatakrebs mit rund 25 Prozent am häufigsten, gefolgt von Lungenkrebs und Darmkrebs. Bei den Frauen steht der Brustkrebs mit rund 30 Prozent an der ersten Stelle. Darm- und Lungenkrebs belegen den zweiten und den dritten Platz.

Eine Krebsdiagnose erhalten die österreichischen Frauen im Mittel mit 66 Jahren, während die Männer zum Zeitpunkt der Diagnose im Durchschnitt 67 Jahre alt sind. Frauen sterben an Krebs im Durchschnitt mit 74, Männer mit 72 Lebensjahren. Bei den Männern treten nur rund 17 Prozent aller Krebsneuerkrankungen vor dem 55. Lebensjahr auf, bei Frauen ist dieser Anteil – bedingt v. a. durch Brustkrebs – mit 24 Prozent deutlich höher.

Werner Thelian

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