Verkehrssicherheit: Den Risikofaktor Müdigkeit ausschalten

Müdigkeit und „Sekundenschlaf“ kündigen sich durch entsprechende Vorzeichen an, die beachtet werden müssen. Foto: Can Stock Photo.

Verkehrssicherheitsexperten können belegen, dass tödliche Verkehrsunfälle oft auf die Übermüdung von Fahrzeuglenkern zurückzuführen sind. Weil die Dunkelziffer in diesem Bereich jedoch hoch ist, schwanken die Angaben zwischen 5 und 25 Prozent. Dennoch ist es unbestreitbar, dass Müdigkeit am Steuer eine der größten Gefahren im Straßenverkehr darstellt.

Konzentration gehört zwar zu den Grundregeln des Autofahrens, ist jedoch, wie zahlreiche Studien belegen, nicht bei allen Autofahrern immer in ausreichendem Maß vorhanden. Denn Autofahren ist anstrengend und macht über kurz oder lang müde. Dann lassen die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit rasch nach. Der Körper verliert beim Autofahren nicht nur Kalorien, sondern auch viel Flüssigkeit und ermüdet. Besonders anstrengend sind Autofahrten auf langen Strecken und solche, die in der Nacht stattfinden. Denn zu später Stunde schaltet der Körper von sich aus ganz automatisch in eine Art „Ruhemodus”, in dem die Herzfrequenz und der Blutdruck gesenkt und Stoffwechselvorgänge reduziert werden.

Gefährlicher Sekundenschlaf

Ob bei Tag oder bei Nacht – der sogenannte „Sekundenschlaf” ist eine der größten Gefahren, die durch die Übermüdung des Lenkers entstehen. Denn einige Sekunden, die man am Steuer einnickt, reicht schon aus, um einen folgenschweren Unfall zu verursachen.

Im Rahmen einer von der ASFINAG und dem ÖAMTC gemeinsam durchgeführten Studie gaben immerhin 14 Prozent der befragten Autofahrerinnen und Autofahrer an, schon einmal kurz am Steuer eingeschlafen zu sein. Fast jeder dritte Befragte gestand ein, schon einmal unmittelbar davor gewesen zu sein. Dabei kommt der Sekundenschlaf keineswegs einfach aus dem Nichts, sondern kündigt sich durch entsprechende Vorzeichen an.

Tipps für lange Autofahrten

  • Setzen Sie sich nur ausgeschlafen ans Steuer. Etwa acht Stunden Schlaf sind vor dem Antritt einer längeren Autofahrt optimal und erhöhen die Sicherheit aller Beteiligten.
  • Fahren Sie nach Möglichkeit nur in den typischen „Wachtzeiten”, also am Tag oder in den Abend- und in den frühen Nachtstunden. Ist man spät in der Nacht noch mit dem Auto unterwegs, besteht ein deutlich höheres Risiko, am Steuer einzuschlafen oder beim plötzlichen Auftreten von kritischen Situationen nicht mehr ausreichend rasch zu reagieren.
  • Beim Autofahren sollte man immer genügend Zeit einplanen. Wer unter Druck fährt, nervös oder gestresst ist, gefährdet nicht nur sich, sondern auch die Mitfahrer und die anderen Verkehrsteilnehmer.
  • Unbedingt vorausschauend und defensiv fah­ren und den Abstand zu anderen Fahrzeugen einhalten. Das reduziert den Stress und erhöht die Verkehrssicherheit.
  • Mindestens alle zwei Stunden eine Pause einlegen. Eine Dauer von etwa 15 Minuten ist optimal. Die Pause wird im Sinne der Verkehrssicherheit am besten genutzt, wenn man sich an der frischen Luft bewegt und einige Dehnungsübungen macht.
  • Autofahrer müssen stets schon auf die ers­ten Anzeichen von Müdigkeit achten: Gähnen, Blendempfindlichkeit, brennende oder schwere Augenlider, häufiges Augenzwinkern, Verspannungen im Bereich der Schulter- und der Rückenmuskulatur, leichte Kopfschmerzen usw. Beim Auftreten dieser Anzeichen sollte man das Fahrzeug bei der nächsten Gelegenheit anhalten und ein kurzes Nickerchen einlegen. Schon 20 bis 30 Minuten Schlaf können für die notwendig Erholung sorgen.
  • Steht eine längere Autofahrt bevor, sollte man besonders auf die richtige Ernährung achten. Leichtes Essen und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wichtig. Kaffee und Energydrinks putschen zwar kurzfristig auf, verbessern jedoch keineswegs die Reaktionsfähigkeit.

Im Auto richtig sitzen

Auch beim Autofahren kommt es auf die richtige Körperhaltung an. Denn lange wie auch kürzere Fahrten können sonst rasch zu einer echten Marter für den Rücken werden. Vor allem dann, wenn der Autositz nicht richtig eingestellt ist. Für das Einstellen des Sitzes sollte man sich vor Antritt der Fahrt ausreichend Zeit nehmen, denn die richtige Sitzposition verzögert nicht nur das Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit und das Einsetzen von Müdigkeit, sondern ermöglicht auch eine bessere Rundumsicht.

  • Beachten Sie, dass langes Sitzen immer zu einer einseitigen Belastung des Rückens führt. Ist der Autositz nicht richtig eingestellt, treten Verspannungen, Schmerzen und Müdigkeit früher auf. Also unbedingt auf die richtige Einstellung des Sitzes und der Kopfstütze achten. Im Auto sollte man immer möglichst aufrecht sitzen.
  • Beim Einstellen des Sitzes auf die Sitzhöhe, die Sitzlänge, die Sitzflächenneigung und die Neigung der Rückenlehne achten. Die Oberschenkel müssen auf der Sitzfläche bequem aufliegen können und die Pedale gut erreichbar sein. Dabei ist es wichtig, dass der Fuß beim Betätigen auf der gesamten Pedalfläche aufsteht.
  • Der Abstand zwischen Vorderkante der Sitzfläche und Kniekehle sollte etwa eine halbe Handbreite betragen. Die Knie sollten in einem Winkel von 110 bis 120 Grad stehen. Die Sitzfläche sollte leicht nach hinten abfallen. Der Rücken sollte bei leicht zurückgelehntem Körper an der Lehne anliegen.

Experten für Rückengesundheit empfehlen, die Sitzhaltung beim Autofahren ab und zu leicht zu verändern. So wird erreicht, dass die verschiedenen Muskelgruppen angesprochen und einseitige Belastungen vermieden werden.

Werner Thelian