Achtung vor Gewittern!

Die Gefahr, die von Blitzen ausgeht, sollte nicht unterschätzt werden. Foto: Can Stock Photo

Über Österreich entladen sich jährlich Hunderttausende Blitze, wobei die meisten im Rahmen von Sommergewittern von Juli bis September zu verzeichnen sind. Blitzschläge richten hierzulande nicht nur hohe Sachschäden an, sondern fordern im Jahresdurchschnitt zwei bis drei Todesopfer.

Auch wenn die Opferzahlen in den letzten Jahrzehnten schon deshalb rückläufig waren, weil die Arbeit am freien Feld keine so große Rolle mehr spielt wie früher, sind gefährliche Begegnungen mit Blitzen auch heute keine Seltenheit. Zu den Risikogruppen zählen neben Beschäftigten in der Landwirtschaft vor allem Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer. Zwei bis drei Todesopfer durch direkten Blitzschlag sind jährlich zu beklagen. Dazu kommen Dutzende Verletzte, die noch Glück im Unglück hatten und nicht direkt vom Blitz getroffen wurden.

Der elektrischen Spannung, die bei einem Blitz entsteht, ist der menschliche Körper nicht gewachsen. Wird ein Mensch direkt vom Blitz getroffen, endet dies in der Regel immer tödlich. Kammerflimmern oder eine Lähmung des Atmungsapparates führen zu Herz-Kreislauf-Stillstand und Tod. Indirekte Blitzschläge, bei denen ein Mensch sich im Spannungsfeld eines Blitzes befindet, verursachen zwar häufig schwere Verletzungen und Verbrennungen, können aber – vor allem, wenn rasche und kompetente Ersthilfe zur Stelle ist – in vielen Fällen überlebt werden.

Die Begegnung mit Blitzen meiden

Gerade im Sommer sollten Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer immer auf ein Gewitter vorbereitet sein. Beim Aufenthalt im Freien ist es wichtig, die Anzeichen von Wetterumschwüngen frühzeitig zu erkennen, die Entfernung eines Gewitters richtig einzuschätzen und sich so rasch wie möglich in Sicherheit zu bringen. Wie nahe ein Gewitter bereits ist, lässt sich am besten anhand der Zeitspanne ermitteln, die zwischen Blitz und Donner vergeht: Drei Sekunden entsprechen ungefähr einem Kilometer.

Ist es nicht mehr möglich, sich in das Innere eines Autos oder Hauses in Sicherheit zu bringen, sollte man sich auf jeden Fall von Bäumen oder anderen Erhebungen der Landschaft fernhalten, da sie potenzielle Anziehungspunkte für Blitze sind. Alte Regeln, wonach bestimmte Bäume einen besseren Schutz gegen Blitze bieten („Vor Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen”), haben sich längst als völlig haltlos erwiesen. Wird man im geschlossenen Wald vom Gewitter überrascht, dann unter einem der niedrigeren Bäume Schutz suchen.

Auf Wiesen und Weiden sind Mulden und Senken ein passabler Schutz gegen Blitzschlag. Am besten in die Hocke gehen, sich eng zusammenkauern, die Arme an den Körper legen und die Beine geschlossen halten. Die Nähe zu Gewässern meiden.

Mit dem Fahrrad im Gewitter

Im Gegensatz zum Auto, das bei geschlossenen Fenstern wie ein Faraday’scher Käfig wirkt und daher sicheren Schutz vor Blitzen bietet, besitzen Fahrräder und Bikes keine solche Schutzfunktion. Biker sollten sich daher vor jeder Ausfahrt über das zu erwartende Wetter informieren.

Gerät man dennoch in ein Gewitter, ist die Fahrt unbedingt zu unterbrechen. Nach Möglichkeit Schutz in einem Gebäude, einem geparkten Auto oder unter einer Stahlbeton- oder Stahlbrücke suchen. Wenn kein geeigneter Unterschlupf zur Verfügung steht, dann eine tiefer liegende Stelle im Gelände aufsuchen und sich in ausreichender Entfernung zum Rad in die Hocke begeben. Das Fahrrad und andere metallische Gegenstände keinesfalls berühren, ehe das Gewitter nicht zur Gänze vorüber ist.

Werner Thelian