Wenn die Gesundheitsgefahr aus der Umwelt kommt

Umweltverschmutzung ist eine der größten Gefahren für unseren Planten, aber auch für die Gesundheit. Nur gemeinsame Anstrengungen können wirkliche Verbesserungen bringen. Foto: CanStock Photo.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in einem aktuellen Bericht die Auswirkungen von Umweltproblemen auf die menschliche Gesundheit beschrieben. Weltweit sterben jedes Jahr etwa 12 Millionen Menschen an Erkrankungen, die von negativen Einflüssen aus der Umwelt ausgelöst oder mitverursacht werden. Und zwar längst nicht nur in den sogenannten Entwicklungsländern, sondern auch in den westlichen Industrieländern. Am stärksten sind Kinder und Personen über 50 Jahre betroffen.

Von vielen Erkrankungen oft sehr unterschiedlicher Art weiß man heute, dass an ihrer Entstehung und Entwicklung auch Einflüsse aus der Umwelt beteiligt sind. Gegenwärtig werden bereits mehr als 100 verschiedene Krankheiten in einen direkten Zusammenhang mit Belastungen, die aus der Umwelt kommen, gebracht. Das Gefahrenpotenzial, das in ihnen steckt, ist beträchtlich und kostet alljährlich viele Millionen Menschen das Leben.

Eine Reihe sehr schwerer Krankheiten

In erster Linie sind es Verunreinigungen der Luft, Giftstoffe im Wasser und im Boden, aber auch Strahlungen und Chemieabfälle, die sich als enorme Gesundheitsrisiken erweisen und u.a. zu Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall und einer ganzen Reihe von chronischen Erkrankungen führen können. Es ist also höchste Zeit, den gesundheitlichen Auswirkungen von Umweltbelastungen und Schadstoffen auf den Menschen entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken.

Das hat sich auch die Weltgesundheitsorganisation WHO vorgenommen, die 2016 ihren jüngsten Bericht zu diesem Thema veröffentlichte. Weil ein ähnlicher Bericht schon einmal, nämlich ein Jahrzehnt zuvor erschienen ist, war diesmal auch ein direkter Vergleich mit den Verhältnissen von damals möglich.

Seither, so die durchaus ernüchternde Bilanz der WHO-Experten, habe sich die Gesamtsituation global gesehen jedoch keineswegs wesentlich verbessert. Jedes Jahr sterben weltweit rund 12 Millionen Menschen an Erkrankungen, die in einem direkten Zusammenhang mit Umweltproblemen und Umweltbelastungen stehen. Darunter viele Kinder, aber auch Erwachsene im Alter von über 50 Jahren.

An der Spitze: Verschmutzte Luft und Passivrauchen

Allein in dem einen Jahrzehnt, das sich zwischen den beiden Umweltberichten der WHO erstreckt, sind weltweit etwa 8,2 Millionen Menschen durch Erkrankungen ums Leben gekommen, die aus verunreinigter Luft resultieren. Diese Zahl ist auch deshalb so enorm hoch, weil die WHO-Experten auch die Folgen des Passivrauchens zu dieser Kategorie zählen.

Um einiges positiver sind die Entwicklungen, die bei anderen umweltbeeinflussten Krankheitsursachen zu verzeichnen sind. So sind im 10-Jahres-Zeitraum die Todesfälle durch infektiöse Erkrankungen (z. B. durch Diarrhö und Malaria) deutlich zurückgegangen. Das liegt auch daran, dass es in vielen der besonders betroffenen Länder und Regionen mittlerweile große Fortschritte bei der Versorgung mit sauberem Trinkwasser und beim Bau sanitärer Einrichtungen gibt.

Nicht viel geändert hat sich allerdings am geografischen Ungleichgewicht, das sich bei globalen Gesundheitsproblemen sehr oft bemerkbar macht. Nach wie vor entfallen die meisten Todesopfer in dieser Kategorie auf Staaten in Südostasien und in Afrika.

Auch Europa ist stark betroffen

Weltweit sind es etwa 23 Prozent, also beinahe ein Viertel aller krankheitsbedingten Todesfälle, die mit negativen Einflüssen aus der Umwelt in einem engen Zusammenhang stehen. Das entspricht etwa 12,6 Millionen Menschenleben jährlich. Die Mehrzahl davon, nämlich rund 7,3 Millionen Todesopfer, entfällt auf den asiatischen Raum, gefolgt von den afrikanischen Staaten (ca. 2,2 Millionen), Europa (1,4 Millionen), Ozeanien (854.000) und Nord- und Südamerika (847.000).

Die insgesamt am häufigsten vorkommenden umweltassoziierten Erkrankungen sind Herzinfarkt und Schlaganfall, nicht ansteckende Infektionen, Krebs, Lungen- und Atemwegserkrankungen sowie Magen- und Darmerkrankungen.

Besonders oft lauern die eigentlichen Verursacher solcher Krankheiten an den Arbeitsplätzen der Menschen, aber auch in ihren eigenen vier Wänden bzw. in der näheren Wohnumgebung. Meistens treten sie in Form von Luftverschmutzung, verunreinigtem Wasser, unzureichenden sanitären Einrichtungen sowie mangelhafter Hygiene auf. Dazu kommen oft auch noch gefährliche Chemikalien und biologische Substanzen, verschiedene Strahlungen (einschließlich UV-Strahlung), Lärm, in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide und nicht zuletzt auch die Gefahren, die sich aus dem weltweiten Klimawandel ergeben.

Kinder sind besonders stark betroffen

Obwohl gerade Umweltbelastungen die Gesundheit von Menschen aller Altersstufen und sozialen Schichten gefährden, sind Kinder vor der Vollendung des 5. Lebensjahres in vielen Weltgegenden am stärksten betroffen. Rund 1,7 Millionen Todesfälle aufgrund umweltassoziierter Erkrankungen entfallen in jedem Jahr auf diese Gruppe. Stark betroffen sind aber auch Erwachsene im Alter von 50 bis 75 Jahren (4,9 Millionen Todesfälle).

Trotz aller Probleme, die Umweltbelastungen und Umweltgefahren für die Gesundheit mit sich bringen, sind ihre Ursachen nach Ansicht der WHO-Experten keineswegs unveränderbar. Es reiche allerdings nicht aus, dass nur staatliche Gemeinschaften und Länder Maßnahmen zur Verbesserung der Situation setzen. Vielmehr sei jeder einzelne Mensch gefordert, diese Maßnahmen zu unterstützen und innerhalb seines eigenen Lebensraumes zu ihrer Umsetzung beizutragen.

Werner Thelian


Schon Hippokrates kannte Umweltprobleme

Die vielfältigen, sowohl positiven als auch negativen Einflüsse der Umwelt auf die Gesundheit der Menschen wurden schon früh erkannt. Hippokrates von Kos (um 460 – um 370 v. Chr.), der berühmteste Arzt der Antike, empfahl seinen Schülern, bei der Beschäftigung mit Krankheiten immer auch auf die Umweltbedingungen zu achten, unter denen sie auftreten und die Einfluss auf sie haben. In der Schrift „Über Luft, Wasser und Ortslagen“ zeigte er, dass es keineswegs ausreicht, Kranke nur aufgrund von Symptomen zu behandeln.

Neigungen zu bestimmten Leiden

Hippokrates selbst berücksichtigte die für eine Region typischen Luftströmungen, die vorherrschende Richtung des Windes, die Einstrahlung der Sonne, die Beschaffenheit des Wassers (hart, weich, stumpf, sumpfig, süß oder salzig) und seine Herkunft (aus dem Flachland oder aus den Bergen) sowie geologische Besonderheiten. Solche Kenntnisse müsse der Arzt bei der Diagnose miteinbeziehen, um die Erkrankungen seiner Patienten besser zu verstehen und erfolgreich behandeln zu können. Für Hippokrates und seine Schüler lag es auf der Hand, dass gerade Umwelteinflüsse dazu führen können, das bestimmte Leiden in manchen Gegenden viel häufiger und oft auch in schwererer Form auftreten als in anderen.


Umweltmedizin heute

In der modernen Umweltmedizin geht es vor allem um die Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen, die mit Faktoren aus der Umwelt in Zusammenhang stehen.

Umweltmediziner beschäftigen sich schon während ihrer spezialisierten Ausbildung v.a. mit medizinisch-hygienischen Themen, Umwelttoxikologie, meteorologischen und klimatischen Fragen, Trinkwasser, Abwasser, Lebensmitteln, Bäderhygiene, Allergien und elektromagnetischen Feldern.

Eine große Rolle spielen auch die Beschaffenheit und Reinheit der Luft, Ozon, der Umgang mit Abfall und Altlasten, Radioaktivität und Umweltepidemiologie.

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