Was der Saharastaub so alles mit sich bringt

Mikroorganismen vom afrikanischen Kontinent gelangen mit dem Wüstenstaub nach Europa. Wissenschaftler wurden im Eis und Schnee der Alpen fündig. Foto: Fondazione Edmund Mach.

Österreichische und italienische Wissenschaftler haben Saharastaub, der in den Dolomiten niederging, einer eingehenden Analyse unterzogen. Dabei fanden sie auf den Wüstenstaubpartikeln aus Afrika, die durch extreme Wetterbedingungen bis nach Europa gelangten, zahlreiche unterschiedliche Mikrobenarten. Eine weitere Auswirkung des weltweiten Klimawandels, die sich über kurz oder lang zu einem Problem entwickeln könnte.

Extreme Wetterbedingungen können dazu führen, dass große Mengen Saharastaub sehr weit nach Norden verfrachtet werden und somit auch nach Mitteleuropa und Österreich gelangen. Ein Ereignis, das gar nicht so selten ist und in den letzten Jahren schon mehrfach registriert wurde.

Mikroorganismen reisen mit

Dass der Wüstensand aus Afrika jedoch keineswegs unbelebt ist, wurde vor Kurzem im Rahmen einer internationalen Studie nachgewiesen. Ein Forscherteam, das sich aus Experten aus Österreich und Italien zusammensetze, konnte belegen, dass die Staubkörner aus der Wüste voll mit Mikroorganismen sind.

Diese haften an den Staubpartikeln und können in den großen Staubwolken unbeschadet auch weite Strecken zurücklegen und so bis nach Italien und Österreich gelangen. Mit den weiten Reisen dieser Mikroorganismen könnten, so die Forscher, unter Umständen auch beträchtliche Gesundheitsrisiken für Menschen und Tiere in Mitteleuropa verbunden sein.

Als die internationale Forschergruppe Saharastaub analysierte, der sich im Schnee und Eis der Dolomiten abgelagert hatte, fand man auf den Staubteilchen nicht nur einzelne winzige Mikroorganismen, sondern gleich ganze Mikrobengemeinschaften. Das stellt nach der Ansicht der Forscher zwar in den Sommermonaten kaum ein Problem dar, weil der Regen die Ansammlungen der Kleinstlebewesen so stark verdünnt, dass sie keinen Schaden mehr anrichten können, aber zumindest unter winterlichen Bedingungen sieht die Angelegenheit dann ganz anders aus.

Geht der Staub nämlich hoch oben im Gebirge auf Schnee und Eis nieder, lagert er auch unzählige Mikroorganismen ab, die so widerstandsfähig gegen die Kälte sind, dass sie auch lange Zeiten dort überdauern können.

Wenn die kritische Masse überschritten wird

Gefährlich könnte es werden, wenn bei der Schmelze von Schnee und Eis so hohe Konzentrationen überlebender Mikroorganismen entstehen, dass die sogenannte „kritische Masse“ überschritten wird. Dann könnten die eingewanderten Mikroorganismen nämlich die einheimischen verdrängen, was über kurz oder lang auch mit Gefahren für die Gesundheit von Menschen und Tieren, aber auch für die Umwelt verbunden sein könnte. Unter den Mikroorganismen, die auf diese Weise Oberhand gewinnen, könnte nämlich auch der eine oder andere Krankheitserreger sein.

Dazu kommt, dass es im Zuge des weltweiten Klimawandels immer häufiger zu starken Staubstürmen kommt, die auch noch Auswirkungen auf weit entfernte Regionen haben. Zudem bewirkt der Klimawandel, dass die Gletscher in Mitteleuropa rascher und stärker abschmelzen und höhere Temperaturen die Revitalisierung der freigelegten Mikroben begünstigen.

Werner Thelian