Schuppenflechte: Viel mehr als nur eine Hautkrankheit

Psoriasis oder Schuppenflechte ist eine nicht-ansteckende entzündliche Hauterkrankung, die auf Autoimmuneffekte zurückgeht und auch andere Organe und die Gelenke betreffen kann. Foto: CanStock Photo.

Im Sommer wird wieder mehr Haut gezeigt. Trotzdem fällt genau das manchen Menschen viel schwerer als anderen – z. B. weil sie unter einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung mit Namen „Psoriasis” leiden. Die im Volksmund als „Schuppenflechte” bezeichnete Erkrankung ist chronisch, verläuft meistens in Schüben und kann durch ihre Sichtbarkeit auf der Haut zu einer großen psychischen Belastung für die Betroffenen werden.

Sie ist alles andere als selten, „begleitet” die zahlreichen Betroffenen über Jahre und Jahrzehnte hinweg und wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO als durchaus schwerwiegendes, weltweit vorkommendes Gesundheitsproblem eingestuft. Die Rede ist von „Psoriasis”, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung der Haut, die zu den Autoimmunerkrankungen zählt und im allgemeinen Sprachgebrauch meistens als „Schuppenflechte” bezeichnet wird.

Rund 250.000 Menschen in Österreich betroffen

Nach Expertenschätzungen sind weltweit über 100 Millionen Menschen von Psoriasis betroffen. Allein in Österreich leiden ca. 250.000 unter dieser Hautkrankheit, die nicht ansteckend ist, deren Ursachen und Auslöser jedoch lange Zeit im Dunkeln lagen.

Selbst heute sind noch längst nicht alle Details rund um diese häufige Erkrankung geklärt. Mittlerweile weiß man aber, dass sie auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems beruht, die – kurz und einfach ausgedrückt – eine deutlich beschleunigte Hauterneuerung bewirkt. Auf diese Weise kommen an den betroffenen Stellen die sichtbaren Hautrötungen, Hautverdickungen und silbrig-weißen Schuppen zustande, die für Psoriasis so typisch sind und der „Schuppenflechte” auch den Namen gaben.

Psoriasis bzw. Schuppenflechte betrifft jedoch keineswegs, wie manchmal angenommen wird, nur die Kopfhaut, sondern kann praktisch fast überall am Körper auftreten. Besonders häufig sind jedoch das Gesicht, der Rücken, die Ellbogen und die Knie betroffen.

Von Medizinern wird die Schuppenflechte geradezu als Paradebeispiel für eine systemische Erkrankung gesehen, weil sie im Laufe der Zeit auch Auswirkungen auf andere Bereiche des Körpers und der Gesundheit haben kann. Bis zu 40 Prozent der Betroffenen entwickeln eine Arthritis (Entzündung der Gelenke), was natürlich mit erheblichen Schmerzen verbunden sein kann. Nicht selten wird die Schuppenflechte aber auch von Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen begleitet.

Von der Schuppenflechte, die für andere nicht ansteckend ist, können Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sein. Sie kann in jedem Alter auftreten und auch schon bei Kindern vorkommen. Normalerweise zeigt sich die Erkrankung jedoch zum ersten Mal in der Pubertät und verläuft von da an in von Zeit zu Zeit wiederkehrenden Krankheitsschüben.

Psoriasis

Der Name Psoriasis leitet sich vom griechischen „psao”, zu Deutsch „kratzen”, her. Diese chronisch-entzündliche Erkrankung, die auch „Schuppenflechte” genannt wird und zu den Autoimmunerkrankungen zählt, beruht auf einer Fehlfunktion des Immunsystems. So kommt es zu einer beschleunigten Hauterneuerung, die durch die für die Erkrankung typischen Schuppen bzw. Plaques sichtbar wird.

Die silbrig-weißen Schuppen, die in Form und Größe von Patient zu Patient variieren, können praktisch überall am Körper vorkommen. Besonders häufig sind jedoch die Ellbogen, die Knie, die Gesäßfalte und die behaarte Kopfhaut betroffen. Bei vielen Patienten kommt es im Rahmen der Erkrankung auch zu Veränderungen an den Finger- und Zehennägeln. Bei manchen Psoriasis-Patienten äußert sich die Erkrankung im Laufe der Zeit auch in Form von Arthritis (Gelenksentzündungen) und den damit verbundenen Schmerzen. Am häufigsten sind in diesen Fällen die Finger- und die Zehengelenke betroffen.

Psoriasis ist eine systemische Erkrankung, die durch das Zusammenspiel von Erbanlagen und Umwelteinflüssen entsteht. Die Erkrankung ist nicht ansteckend und wird auch nicht durch Berührung übertragen. Sie ist zwar nicht heilbar, kann jedoch mit der passenden Therapie sehr gut beherrscht werden.

Belastung für die Psyche und die Lebensqualität

Psoriasis ist auch deshalb ein beachtenswertes Gesundheitspro­blem, weil sie nicht nur eine hartnäckige Hauterkrankung ist, die über kurz oder lang auch Schmerzen verursachen kann, sondern vor allem auch die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigt und nicht selten zu psychischen Belastungen und sozialem Rückzug führt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich die Erkrankung an Stellen zeigt, die auch für andere gut sichtbar sind – etwa im Gesicht, am Kopf, am Oberkörper und an den Beinen. Dazu kommt noch, dass diese Autoimmunerkrankung durchaus auch Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat, bedenkt man etwa die Arbeitsausfälle aufgrund eines Psoriasis-Schubes, was auch bis hin zur Arbeitsunfähigkeit reichen kann.

Verschiedene Faktoren

Obwohl sich gerade in den letzten Jahren in Psoriasis-Forschung viel getan hat, sind die genauen Ursachen der Entstehung der Krankheit noch nicht bis ins letzte Detail geklärt. Es sieht jedoch immer mehr danach aus, als wäre Psoriasis auf das Zusammenwirken einer genetischen Veranlagung und bestimmter Umwelteinflüsse zurückzuführen. In ihrer Kombination können diese Faktoren die Erkrankung aber nicht nur auslösen, sondern auch jene „Schübe” der Krankheit provozieren, von denen die Betroffenen und ihre Ärzte so häufig berichten. Auch übermäßiger Stress kann eine große Rolle spielen.

Tatsächlich kann die Schuppenflechte lange Zeit sehr zurückgedrängt bleiben und fast verschwinden, ehe sie dann wieder in Form eines neuen Krankheitsschubes sichtbar wird. In seltenen Fällen kann sich die Krankheit, die aus heutiger Sicht nicht heilbar ist, auch ganz spontan zurückbilden und in wenigen Fällen auch tatsächlich auf Dauer verschwinden. Oft wird auch die positive Auswirkung von Sonnenlicht auf die betroffenen Hautpartien beobachtet, weshalb sehr viele Patienten davon berichten können, im Sommer weitaus weniger Probleme mit der Schuppenflechte zu haben.

Was in der Haut passiert?

Der menschliche Körper bildet andauernd neue Hautzellen, die normalerweise in tieferen Hautschichten entstehen und nach etwa vier Wochen die Oberfläche der Haut erreichen. Bei Psoriasis liegt jedoch eine Fehlregulation des Immunsystems vor. Dadurch greift das Immunsystem gesunde eigene Hautzellen an (Autoimmunerkrankung). Zudem werden im Zuge der Krankheitsschübe die Blutgefäße in den betroffenen Hautbereichen durchlässiger, wodurch Entzündungen entstehen, die wiederum eine vermehrte Produktion von Abwehrzellen provozieren. Gleichzeitig kommt es an den betroffenen Stellen zur Verdickung der Hautschicht und zu einer verstärkten Schuppenbildung.

Heute gut behandelbar

Auch wenn Psoriasis als nicht heilbar gilt, so kann sie doch mit neuen Therapien gut behandelt und beherrscht werden. Für einen besonders guten Erfolg ist jedoch eine möglichst frühzeitige und gesicherte Diagnose besonders wichtig. Ist die Erkrankung durch hautärztliche Untersuchungen nachgewiesen, stehen – abhängig vom Schweregrad der Psoriasis – unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Der Grad ergibt sich u.a. aus dem Anteil der betroffenen Hautoberfläche, dem Ausmaß der Entzündungen und der Verhärtungen des Gewebes sowie der Stärke der Schuppenbildung. Durch die Behandlung kann die Erkrankung zwar nicht geheilt, die Symptome können jedoch wirksam zurückgedrängt oder sogar komplett beseitigt werden.

Die Therapien reichen von der äußerlichen Behandlung mit speziellen Cremes, Lotions und Shampoos über die Lichttherapie bis hin zu Tabletten, Injektionen und Infusionen. Bei der Lichttherapie wird heute v.a. die Bestrahlungen mit Schmalspektrum-UVB-Licht eingesetzt. Seit einiger Zeit stehen für die Psoriasis-Therapie auch sogenannte Biologika zur Verfügung. Sie werden unter die Haut injiziert und bestehen aus Eiweißstoffen, die jene körpereigenen Substanzen hemmen, die Psoriasis-Entzündungen hervorrufen.

Werner Thelian

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