Kinderunfälle vermeiden

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Mit den eigenen vier Wänden wird normalerweise der Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit verbunden. Dennoch verunglückt in Österreich fast alle 13 Minuten ein Kind im Bereich der elterlichen Wohnung oder dem Elternhaus. Alle paar Wochen fällt ein Kind aus dem Fenster oder verletzt sich bei einem Sturz über die Treppe so schwer, dass es intensivmedizinisch versorgt werden muss. Aber auch der Garten birgt neben Swimmingpool oder Teich noch weitere Gefahrenquellen, die keinesfalls unterschätzt werden dürfen.

In Österreich stürzt – statistisch gesehen – etwa alle drei Wochen ein Kind aus einem geöffneten und ungesicherten Fenster. Manche dieser Stürze gehen zwar gerade noch glimpflich aus, aber sehr häufig sind auch schwere und schwerste Verletzungen das Resultat. Bis zu drei Kindern sterben in Österreich jährlich an den Folgen eines solchen Unfalls.

Schon ein Sturz aus geringer Höhe kann fatal sein
Manchmal reicht schon ein Sturz aus dem Erdgeschoss aus, um lebensgefährliche Verletzungen im Bereich des Schädels und der Wirbelsäule hervorzurufen. Besonders gefährdet sind übrigens zwei- bis vierjährige Kinder, weil gerade in diesem Alter Schnelligkeit und Geschicklichkeit der Kleinen rasant zunehmen. Die Eltern begehen dann oft den Fehler, die Fähigkeiten ihrer Sprösslinge falsch einzuschätzen. Schon eine kurze Unaufmerksamkeit kann genügen und das Kind befindet sich in einer gefährlichen Situation.

Fensterstürze von Kindern sind am besten zu vermeiden, wenn jedes Fenster über eine Vorrichtung zum sicheren Absperren verfügt und immer geschlossen und gesichert ist, wenn sich ein Kind in der Nähe befindet. Darüber hinaus sollten Erwachsene immer darauf achten, dass keine Tische, Sessel, Sofas oder ähnliche Möbelstücke vor den Fenstern stehen, die dem Kind das Hochklettern erleichtern könnten. Prinzipiell ist dringend anzuraten, kleine Kinder auch in vertrauter Umgebung niemals unbeaufsichtigt zu lassen.

Im Ernstfall richtig handeln
Kommt es aber trotz aller Vor­sicht zu einem Unfall und ein Kind stürzt aus einem Fenster, über eine Treppe oder von einem hohen Möbel, so ist unverzüglich der Notruf 144 zu verständigen. Ist die Alarmierung erfolgt, sollte man durch Berühren und Ansprechen prüfen, ob das Kind bei Bewusstsein ist. Ist das Kind ansprechbar und klagt über Schmerzen, sollte es nach Möglichkeit liegen gelassen und an Ort und Stelle beruhigt werden, bis die Rettungskräfte eintreffen. Eine Decke leistet gute Dienste, um den Körper des Kindes vor dem Auskühlen zu schützen.

Wenn das Kind nach dem Sturz bewusstlos ist, muss seine Atmung überprüft werden. Ist keine normale Atmung vorhanden, müssen unverzüglich Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, bis das Kind wieder normal zu atmen beginnt oder die Rettung eintrifft. Atmet das Kind, ist jedoch ohne Bewusstsein, dann ist der Körper in die stabile Seitenlage zu bringen.

Vorsicht beim Rasenmähen
Neben Stürzen aus Fenstern und über Treppen sind auch Kinderunfälle beim Rasenmähen häufiger als man denkt. Daher haben vor Kurzem die Ärzte der Abteilung für Kinder- und Jugendchi­rurgie am Klinikum Klagenfurt a. Wörthersee an alle Eltern appelliert, bei Rasenarbeiten immer entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

„Heuer hatten wir bereits ein Mädchen, das nach einem Unfall mit einem automatischen Mähroboter stationär aufgenommen werden musste“, sagt Primarius Univ.-Doz. Dr. Günter Fasching, Abteilungsvorstand für Kinder- und Jugendchirurgie am ELKI des Klinikums Klagenfurt. Die Sechsjährige fiel auf das Gerät und geriet dabei mit den Fingern in die Messer. Die Folge waren schwere Fingerverletzungen.

Primarius Dr. Günter Fasching und sein Team erinnern daher an wichtige Vorsichtsmaßnahmen: automatische Rasenrobo­ter sollten immer so programmiert sein, dass sie den Rasen nur dann mähen, wenn die Kinder im Kindergarten oder in der Schule bzw. nicht im Freien sind. Aber auch ganz normale Rasenmäher und Handmäher sind gefährlich. Sie können Steinchen oder Splitter mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h durch die Luft schleu-dern und so schwere Verletzungen hervorrufen. Manchmal können die Folgen sogar tödlich sein.

Auf keinen Fall sollten Eltern bzw. Erziehungsberechtigte Kindern erlauben, das Rasenmähen selbst auszuprobieren. Viel zu groß ist die Gefahr, dass das Kind mit den Händen oder den Füßen in die Messer gerät. Größte Vorsicht ist übrigens auch dann noch angebracht, wenn der Rasen bereits gemäht ist. So sollten alle Reinigungsarbeiten am Gerät ausschließlich von Erwachsenen durchgeführt werden. Aber natürlich sollten auch diese immer alle Sicherheitsvorschriften (siehe Handbuch des Rasenmähers bzw. Rasenroboters) genauestens beachten.

Werner Thelian