9 Millionen Menschenleben

Die Weltbevölkerung wächst in rasanter Geschwindigkeit. Derzeit besteht sie aus 7,5 Milliarden Menschen, bis zum Jahr 2050 werden es dann voraussichtlich schon knapp 10 Milliarden sein. Auch die Lebenserwartung nimmt weiter zu. Abbildung: Can Stock Photo.

Eine der größten, aber vielfach noch immer unterschätzten Gefahren für die Gesundheit ist die zunehmende Verschmutzung der Umwelt. Das wird auch von den Ergebnissen einer aktuellen, internationalen Studie bestätigt, wonach Feinstaub in der Luft, Krankheitserreger im Wasser und Gifte im Boden weltweit für jeden sechsten Todesfall verantwortlich sind.

Allein im Jahr 2015 gingen weltweit etwa neun Millionen Menschenleben auf das Konto von Krankheiten, die eindeutig von Schadstoffen aus der Umwelt verursacht werden. Das sind, wie die Autoren einer aktuellen internationalen Studie anmerken, drei Mal mehr Tote als pro Jahr auf HIV-Aids, Tuberkulose und Malaria zusammen zurückzuführen sind.

Mehr Opfer als durch Kriege und Gewalt

Es sind aber auch fünfzehn Mal so viele Menschenleben wie im Jahr 2015 Kriegen und anderen Formen von Gewalt zum Opfer fielen. An erster Stelle aller Gefahren, die aus der Umwelt kommen, steht die zunehmende Luftverschmutzung. Sie ist vor allem auf Industrie- und Autoabgase zurückzuführen, entsteht aber auch durch die Verbrennung von Holz und Kohle beim Heizen und beim Kochen.

Gleich danach folgen die Gesundheitsgefahren, die durch verschmutztes Wasser entstehen. Noch immer sterben weltweit jedes Jahr etwa 1,8 Millionen Menschen durch Parasiten und von ihnen übertragene Krankheiten, die sich über verunreinigtes Wasser ausbreiten können. An dritter Stelle folgen dann jene Todesfälle, bei denen gefährliche Schad- und Giftstoffe an Arbeitsplätzen sowie Bleivergiftungen die Hauptursache bilden. Nach wie vor müssen überall auf der Welt unzählige Menschen an Orten arbeiten, die mit giftigen und dabei vor allem krebserregenden Substanzen belastet sind.

Die Situation ist vielleicht noch schlimmer

Trotz dieses insgesamt äußerst erschreckenden Befundes könnte die Situation in Wirklichkeit noch viel schlimmer sein. Die an der internationalen Studie beteiligten Wissenschaftler weisen nämlich darauf hin, dass viele gefährliche Schadstoffe und Krankheitsverursacher gegenwärtig entweder noch unbekannt oder einfach nicht ausreichend genug erforscht sind. Schon deshalb müsse man befürchten, dass die tatsächliche Anzahl jener Todesfälle, die auf Umweltverschmutzung zurückzuführen sind, noch um einiges größer ist.

Solche Studien zeigen einmal mehr, dass kein Weg daran vorbei führt, den Gesundheitsgefahren aus der Umwelt die größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken und ihre Auswirkungen auf die Natur und den Menschen auch weiterhin intensiv wissenschaftlich zu erforschen. Darüber hi­naus sollte und muss jedoch vor allem das Bemühen an erster Stelle stehen, weitere Verschmutzungen der Umwelt zu vermeiden und alles daran zu setzen, damit möglichst viele Staaten und Regio­nen der Welt zumindest in dieser Hinsicht an einem Strang ziehen.

Werner Thelian