Wie Bakterien am Geruchssinn beteiligt sind

Auch riechend nehmen wir unsere Umwelt wahr. Neuere Forschungen zeigen, dass dabei Bakterien mit eine Rolle spielen. Foto: CanStock Photo.

Ein Wissenschaftlerteam der Universität Graz ist der Bakterienwelt in der Nase auf der Spur. Dabei konnte gezeigt werden, dass Bakterien, die auf der Nasenschleimhaut siedeln, direkte Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Gerüchen haben.

Der Mensch ist ständig von Gerüchen umgeben. Wie gut man diese jedoch wahrnimmt, könnte laut Wissenschaftlern von der Universität Graz zumindest teilweise mit der Bakterienwelt in der Nase zu tun haben. Die Grazer Forscher haben das menschliche Nasenmikrobiom (Gesamtheit der Bakterien in der Nase) untersucht, um dessen Einflüsse auf das Riechen zu ergründen.

Verblüffende Eigenschaften

Die meisten Bakterien, die den menschlichen Körper besiedeln, sind im Darm zu finden. Aber auch die Mundhöhle, die Zunge und die Nase dienen Bakterien verschiedener Stämme als Lebensraum. Diese Bakterien variieren jedoch von Mensch zu Mensch.

So sieht es derzeit ganz danach aus, als hätte vor allem der Umstand, welche Bakterien die Nase und die Nasenschleimhaut besiedeln, direkte Auswirkungen auf das Riechvermögen. Im Rahmen einer vor Kurzem veröffentlichten Studie hat ein Forscherteam vom Institut für Psychologie an der Universität Graz 67 Probandinnen und Probanden daraufhin getestet, wie gut sie darin sind, Gerüche auch bei niedrigen Konzentrationen wahrzunehmen, voneinander zu unterscheiden und zu benennen. Etwa 15 Prozent der Testpersonen erwiesen sich als besonders schlecht darin. Allen Studienteilnehmern wurden daraufhin Proben aus der Nase entnommen und auf Spuren von Bakterien untersucht.

Das Ergebnis: Es sind normalerweise 27 Bakterienstämme, die in der Nase siedeln und so das Nasenmikrobiom bilden. Zwischen Menschen, die besonders gut, besonders schlecht oder eben nur durchschnittlich gut riechen, konnten allerdings deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung der Bakterienwelt in der Nase festgestellt werden.

Die Erforschung des Mikrobioms

Wenn man vom Mikrobiom des menschlichen Körpers spricht, meint man damit die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die den Körper besiedeln. Dabei handelt es sich vorwiegend um Bakterien, die vor allem im Bereich des Magen-Darm-Traktes, der Schleimhäute und auf der Haut zu finden sind. Sie haben Anteil an der Funktionsweise des Stoffwechselsystems und wirken sich u.a. auf das Immunsystem aus.

Während im menschlichen Darm normalerweise über 1.000 verschiedene Bakterienarten siedeln, setzt sich die Bakterienwelt in der Nase für gewöhnlich aus Bakterien zusammen, die etwa 27 verschiedenen Stämmen angehören.

In vielerlei Hinsicht von Nutzen

Die allermeisten Bakterien, die den Körper dauerhaft bewohnen, erledigen viele positive und nützliche Aufgaben. Forschungen zeigten aber auch, dass die jeweilige Zusammensetzung der Bakterienwelt (v.a. im Darm) bestimmte psychische und neurodegenerative Erkrankungen provozieren oder zumindest verschlimmern kann.

Weniger ist offenbar mehr

Die Untersuchungen zeigten, dass es vor allem auf die Anzahl der Bakterienstämme anzukommen scheint. Je mehr unterschiedliche Bakterienstämme in der Nase und auf der Nasenschleimhaut zu finden sind, desto schlechter dürfte die Wahrnehmung von Gerüchen sein. Auch die Art der Bakterien spielt eine Rolle. Jene Versuchspersonen, deren Nasen eher von Bakterienstämmen besiedelt werden, die stark riechende Buttersäure-Moleküle produzieren, wiesen eine schlechtere Geruchswahrnehmung auf.

Dass die Erforschung des Riechvermögens durchaus von Bedeutung ist, ergibt sich schon aus dem Umstand, dass das Riechen für die Wahrnehmung der Umwelt und damit für das tägliche Leben sehr wichtig ist. Tatsächlich weiß man, dass Menschen, die vermindert riechen oder ihren Geruchssinn gänzlich verloren haben, stark an Lebensqualität einbüßen. Sie haben vor allem das Problem, dass ihre Wahrnehmung der Außenwelt eingeschränkt ist, dass das Essen nicht mehr schmeckt und auch wichtige Warnsignale (Brandgeruch, Gasgeruch usw.) nicht registriert werden. Zu Unsicherheiten führt es aber auch, wenn der eigene Körpergeruch nicht mehr wahrgenommen werden kann.

Für die Psychologen ist der Geruchssinn auch deshalb so interessant, weil Einschränkungen in diesem Bereich leicht zu Ängsten und Depressionen führen können.

Werner Thelian