Wie alt kann man werden?

Wie alt man wird, hängt von vielen Faktoren ab. Neben dem individuellen Lebensstil spielt auch der medizinische Fortschritt eine Rolle. Foto: CanStock Photo.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen steigt seit Jahrzehnten unvermindert weiter an. Kein Wunder, dass Wissenschaftler schon seit geraumer Zeit darüber diskutieren, wie weit diese Entwicklung zumindest theoretisch noch gehen kann. Wie alt kann ein Mensch überhaupt werden? Gibt es eine natürliche Grenze, die sich nicht überschreiten lässt?

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen nimmt weiter zu. Altersforscher und andere Fachleute haben mithilfe statistischer Daten gezeigt, wie rasant diese Entwicklung gerade im Laufe der letzten Jahrzehnte verlaufen ist. Demnach hat sich in der westlichen Welt die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt pro Jahrzehnt um etwa zwei bis drei Jahre verlängert.

Gute Chancen, über 100 zu werden

Und die Tendenz, älter als die eigenen Vorfahren zu werden, hält auch weiterhin unvermindert an. Kinder, die heute in einem westlichen Wohlstandsland wie Österreich geboren werden, haben keine schlechten Chancen, über 100 Jahre alt zu werden.

Allerdings verlief der Zuwachs an Lebensjahren keineswegs immer so rasant wie in unserer Zeit. Nicht selten stagnierte er oder erwies sich sogar als rückläufig. Zwar liegen aus früheren Jahrhunderten nicht immer gesicherte Daten vor, aber trotzdem ist es Forschern gelungen, die Kurve der durchschnittlichen Lebenserwartung bis weit zurück in die Vergangenheit zu zeichnen.

Dabei zeigte sich, dass etwa vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kaum größere Veränderungen feststellbar waren. Die durchschnittliche Lebenserwartung stagnierte über 300 Jahre lang. Während dieser Zeit betrug sie etwa 39 bis 40 Jahre. Wer einige Jahre älter wurde, konnte sich schon glücklich schätzen.

Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Wohlstand bereits zugenommen hatte und in der Medizin immer größere Fortschritte zu verzeichnen waren, begann die Lebenserwartung deutlich zu steigen. 1850 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt noch bei 41 Jahren, aber schon 1900 bei 46 Jahren. 1950 betrug der Wert bereits 69 Jahre, 2011 lag er schon bei 81 Jahren.

Wo liegt die Grenze?

Am mehr oder weniger plötzlichen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung, der im Laufe des 19. und dann vor allem des 20. Jahrhunderts zu registrieren war, waren mehrere Faktoren beteiligt. Vor allem machten sich jedoch die besseren Erwerbsmöglichkeiten, eine bessere Ernährung, der medizinische Fortschritt und die damit verbundene Senkung der Säuglings- und Kindersterblichkeit positiv bemerkbar.

Heutzutage wächst die Lebenserwartung in fast allen Teilen der Welt und liegt im globalen Durchschnitt bei 70 Jahren. In Österreich liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt derzeit für Männer bei etwa 79 Jahren, für Frauen bei 84 Jahren. Auch in den Entwicklungsländern nimmt die Lebenserwartung zu, wenn auch bei Weitem nicht so rasch und signifikant wie hierzulande.

Schon seit einiger Zeit fragen sich Altersforscher und Wissenschaftler anderer Fachdisziplinen, wie weit diese Entwicklung noch fortschreiten kann. Während die einen der Meinung sind, dass der Zenit schon bald erreicht sein könnte, sind nicht wenige Forscher der Ansicht, dass es nach oben hin so rasch keine Grenze geben wird. Ihre Hauptargumente: In der menschlichen DNA sei keine maximale Lebensdauer festgelegt, der medizinische Fortschritt gehe ungebrochen rasant weiter, und auch die Lebensumstände der Menschen werden sich nicht verschlechtern, sondern eher noch verbessern. Demzufolge könnte es durchaus sein, dass immer mehr Menschen in absehbarer Zukunft über 100, 105 oder sogar 110 Jahre alt werden.

Der bisher älteste Mensch lebte in Frankreich

Als ältester Mensch bisher gilt offiziell die Französin Jeanne Louise Calment (1875–1997). Als sie am 4. August 1997 starb, war sie 122 Jahre und 164 Tage alt. Calments Lebensdaten wurden zu ihren Lebzeiten mehrfach überprüft, sie schaffte es mit ihrem hohen Alter ins Buch der Rekorde und war in Frankreich weithin bekannt.

Bei den Medien war sie als Zeitzeugin und Gesprächspartnerin sehr beliebt, und immer wieder wurde sie auch von Wissenschaftlern interviewt, die den Geheimnissen ihres hohen Alters auf die Spur kommen wollten. Bis zuletzt war die alte Dame geistig recht fit, lebte in einem Seniorenheim und führte ihr hohes Alter u.a. auf die frühere sportliche Betätigung und eine grundsätzlich optimistische Lebenseinstellung zurück.

Werner Thelian