Virtual Reality als Brücke zur eigenen Vergangenheit

Virtual-Reality könnte schon bald bei der Biografiearbeit in Seniorenheimen eine große Rolle spielen. In Österreich arbeitet die Linzer Digitalagentur Netural am Projekt „VR4Therapy“, das in einigen Seniorenheimen bereits erprobt wird. Foto: Netural/Hartmann.

Künftig könnten Virtual-Reality-Lösungen dabei behilflich sein, Seniorinnen und Senioren mit Demenzerkrankungen beim Erinnern zu helfen. Vor allem die sogenannte „Biografiearbeit“, die heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Pflege und Betreuung älterer Menschen ist, könnte von dieser technischen Möglichkeit profitieren. In einigen oberösterreichischen Seniorenheimen wird die Methode bereits erprobt.

In Österreich leben nach eher vorsichtigen Schätzungen über 130.000 Menschen mit Demenz. Die Tendenz ist eindeutig steigend. Die meisten Betroffenen sind Senio­rinnen und Senioren, die an der Alzheimerkrankheit leiden, die für deutlich mehr als die Hälfte aller Demenzfälle verantwortlich ist. Weil mit dem Fortschreiten der Erkrankung nicht nur das Erinnern und überhaupt die kognitiven Fähigkeiten nachlassen, sondern auch die Selbstständigkeit verloren geht, sind die Betroffenen früher oder später auf Betreuung und Pflege angewiesen.

Biografiearbeit mit neuen Mitteln

Viele ältere Menschen mit Demenz leben in Senioren- und Pflegeheimen, wo zumeist ein umfangreiches Angebot von Therapie- und Beschäftigungsmöglichkeiten zur Verfügung steht. Damit das Pflege- und Betreuungspersonal die Patienten, ihre individuellen Bedürfnisse und Vorlieben, ihre Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten besser kennenlernen kann, spielt die sogenannte „aktive Biografiearbeit“ eine wichtige Rolle.

Mittlerweile arbeiten Forscher, Techniker und Unternehmen da­ran, für die Biografiearbeit mit den Seniorinnen und Senioren auch den technologischen Fortschritt nutzbar zu machen. So besteht schon seit einiger Zeit die Vermutung, dass Virtual-Reality-Lösungen ein vielversprechender Weg sein könnten, um die persönlichen Erinnerungen betagter Patienten zu reaktivieren und so einen besseren Zugang zu ihnen zu finden.

Während die Pflege- und Betreuungskräfte neben Gesprächen bisher u.a. Familien-Fotoalben, alte Zeitungsausschnitte und von Angehörigen aufbewahrte Erinnerungsstücke verwenden, um den Patienten eine Brücke in die eigene Vergangenheit zu bauen, könnte mit Virtual-Reality-Lösungen etwa die Lebensumgebung dargestellt werden (z.B. die Stadt oder der Stadtteil), in der die oder der Betroffene die Kindheit, die Jugend oder andere wichtige Lebensabschnitte verbracht hat.

Diese besonders realitätsnahe Form des Eintauchens in die Vergangenheit, für die jedoch viel Material gesammelt und verarbeitet werden muss, wird international erforscht und getestet. In Österreich wurde ein solches Projekt in Zusammenarbeit der Linzer Digitalagentur Netural mit der Caritas und der österreichischen Forschungsförderung gestartet und wird bereits in einigen Seniorenheimen in Oberösterreich erprobt. Wenn sich nach dem ersten Jahr positive Fortschritte zeigen, soll das Projekt entsprechend ausgeweitet werden.

Werner Thelian


Virtual Reality

Virtual Reality, kurz VR, ist in diesem Zusammenhang die Darstellung einer letztlich von Computern erschaffenen bzw. nachempfundenen Wirklichkeit, die sich interaktiv betrachten und erkunden lässt.

Was Biografiearbeit ist
Biografiearbeit wird in verschiedenen Bereichen – u.a. in der Psychologie, bei der Sozialarbeit und in der Pflege – angewandt. Sie soll Menschen ermutigen, sich zu erinnern und ihre Erinnerungen zu äußern.
In der Pflege hilft das dem Pflegepersonal, die Patienten kennenzulernen und dabei ihre individuellen Bedürfnisse und ihre besonderen Fähigkeiten zu erkennen. Das betrifft insbesondere Patienten, die große Schwierigkeiten mit ihrem Gedächtnis habe bzw. an Demenz leiden und sich daher oft von sich aus nicht entsprechend mitteilen können.
Die Biografiearbeit, bei der auch die Mitwirkung der Angehörigen wichtig ist, wird heute längst schon als unverzichtbarer Bestandteil der Lebensbegleitung älterer Menschen gesehen.

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