Angststörungen sollte man immer ernst nehmen

Angsterkrankungen bereiten vielen Menschen Probleme. Sie mindern sehr deutlich die Lebensqualität und können bis hin zum gänzlichen sozialen Rückzug führen. Umso wichtiger ist die Therapie. Foto: CanStock Photo.

Zittern, Schwitzen und das Gefühl, demnächst in Ohnmacht zu fallen, sind die häufigsten und bekanntesten Symptome und Begleiterscheinungen von Angsterkrankungen. Die meisten Angsterkrankungen entstehen schon in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und können die Lebensqualität der Betroffenen schwer belasten.

Von akuten Angststörungen sind viele Menschen betroffen. Keine andere psychische Erkrankung kommt in den westlichen Industrieländern so häufig vor. Angst­erkrankungen betreffen Frauen und Männer annähernd gleichermaßen, treten oft schon in der Jugend und im frühen Erwachsenenalter auf und bedeuten für die Betroffenen fast immer eine große und fortdauernde Belastung. Bei vielen ist die Lebensqualität stark eingeschränkt.

Panikstörungen und Phobien sind häufig

Panikstörungen, generalisierte Angst­störungen und Phobien sind die am häufigsten auftretenden Formen von Angsterkrankungen. Heute weiß man, dass deutlich mehr als die Hälfte aller Betroffenen schon vor dem 21. Lebensjahr zum ersten Mal mit ihrer Erkrankung konfrontiert wurden. Am frühesten erkranken die Betroffenen an Phobien, nämlich durchschnittlich bereits um das 16. oder 17. Lebensjahr herum. Soziale Phobien wiederum machen sich im Durchschnitt im Lebensalter von 21 Jahren zum ersten Mal bemerkbar.

Panikstörungen stellen sich vergleichsweise um einiges später ein, nämlich etwa zwischen dem 26. und dem 30. Lebensjahr. Am seltensten kommt es bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur generalisierten Angststörung. Die tritt nämlich meistens erst um das 35. Lebensjahr herum auf.

Ernst nehmen und möglichst früh behandeln

Angststörungen stellen für die Betroffenen immer eine enorme Belastung dar, die sich in vielen Bereichen des Alltags bemerkbar macht. Nicht selten werden manche Bereiche des Lebens ganz der Angststörung untergeordnet, indem man zum Beispiel versucht, die unmittelbaren Auslöser (enge Räume, weite Plätze, bestimmte Situationen usw.) zu vermeiden.

Dazu kommt, dass die Betroffenen von Angehörigen und anderen in ihrer Umgebung mit ihrem Problem nicht richtig ernst genommen werden. Gutgemeinte Ratschläge wie „Reiß dich zusammen!“ sind jedenfalls fast immer fehl am Platz.

Viel wichtiger wäre es, dass Angststörungen so früh wie möglich, also schon bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, fachgerecht behandelt werden. Desto besser sind nämlich die Aussichten auf eine baldige Besserung. Im Rahmen der Therapie kommen heute vor allem psychotherapeutische Verfahren, aber auch die medikamentöse Behandlung zum Einsatz. Dabei werden Medikamente sinnvollerweise erst dann verschrieben, wenn verhaltenstherapeutische Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg erzielen.

Besonders wichtig ist bei Angststörungen auch die Mitarbeit der Patienten. Die verspüren praktisch immer enormen Leidensdruck und haben schon viel getan, wenn sie sich und ihr Problem einem Arzt oder Therapeuten anvertrauen. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Patienten lernen, die auftretenden und sie einschränkenden Beschwerden als Ausdruck ihrer Angst zu erkennen und auf dieser Basis zu ihrer grundlegenden Erkrankung zu stehen.

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Was man gegen die eigene Angst tun kann

Fachleute raten den Betroffenen meistens, angstauslösenden Situationen nicht aus dem Weg zu gehen. Je häufiger man sich nämlich traut, einer solchen angstbesetzten Situation entgegenzutreten und sich ihr sozusagen „auszusetzen“, desto besser. Man kann nämlich sehr wohl lernen, die Angst abzubauen.

Fürchtet man sich vor der Enge von Fahrstühlen, kann es also durchaus trotzdem ratsam sein, den Fahrstuhl statt der Treppen zu benutzen. Und auch wenn man es wagt, ab und zu im Supermarkt nebenan statt nur in kleinen Geschäften einzukaufen, kann das sehr sinnvoll sein und die eigene Angst abbauen. Besteht die Angst jedoch weiter und belastet zunehmend den Alltag, sollte man nicht lange zögern und ärztlichen Rat einzuholen.

Werner Thelian

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