Alzheimer & Co: Auch Umweltfaktoren könnten eine Rolle spielen

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Derzeit sorgen Forschungsergebnisse für Aufsehen, die nahelegen, dass als Mitverursacher von Demenzerkrankungen wie Alzheimer auch schädliche Umweltfaktoren infrage kommen. Wissenschaftler konnten bereits zeigen, dass in Wohngegenden in der Nähe stark frequentierter Straßen deutlich mehr Demenzfälle zu verzeichnen sind. Der Hauptgrund dafür dürfte die Feinstaubbelastung sein.

Weltweit sind bereits viele Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Rund 70 bis 80 Prozent der vorwiegend älteren Betroffenen leiden an der häufigsten und damit am weitesten verbreiteten Demenzform: Morbus Alzheimer, meistens einfach „Alzheimer“ genannt.

Mindestens 47,5 Millionen Demenzkranke

Demenzkrankheiten wie Alzheimer sind u.a. durch den fortschreitenden Verlust des Gedächtnisses und immer stärkere Einschränkungen des Denkvermögens und der Sprache charakterisiert. Im Verlauf der Erkrankung, die sich zumeist über viele Jahre, sogar Jahrzehnte hinweg entwickelt und weder umkehrbar noch heilbar ist, treten die Defizite immer öfter und immer deutlicher zutage. Schließlich werden die betroffenen Patienten ihrer Selbstständigkeit und früheren Selbstbestimmtheit beraubt, wodurch sie über kurz oder lang auf Betreuung und Pflege angewiesen sind.

Derzeit geht die Weltgesundheitsorganisation WHO davon aus, dass es weltweit etwa 47,5 Millionen Demenzkranke gibt. Nach anderen Schätzungen dürfte die Zahl der Betroffenen aber noch weitaus höher sein. Und die Tendenz ist steigend. Jedes Jahr kommen etwa 7,7 Millionen neue Demenzfälle hinzu, ohne dass man verlässlich weiß, auf welche Ursachen Demenzen zurückzuführen sind.

Hinweise auf Umwelteinflüsse

Vor diesem ernsten Hintergrund haben kanadische Forscher vor Kurzem eine Studie veröffentlicht, die nahelegt, dass bei der Entstehung und bei der Weiterentwicklung von Demenzerkrankungen auch Einflüsse aus der Umwelt eine Rolle spielen. So zeigt die Studie, dass Menschen, die an stark befahrenen Straßen wohnen, öfter an Demenz erkranken.

Dabei steigt das Erkrankungsrisiko mit der jeweiligen Nähe zur Straße. Liegt der Wohnort weniger als 50 Meter von der Straße entfernt, ist das Demenzrisiko um etwa sieben Prozent erhöht. Wer in einer Entfernung von 50 bis 100 Metern zur Straße wohnt, muss immerhin noch mit einem um etwa vier Prozent höherem Risiko leben. Erst ab einer Entfernung von 200 Metern lässt sich kein erhöhtes Risiko mehr feststellen.

Schadstoffe sind ein großes Problem

Für ihre Studie werteten die Forscher die Gesundheitsdaten von etwa sechs Millionen Menschen aus der kanadischen Provinz Ontario aus. Mit Bezug auf die Ergebnisse sind die Wissenschaftler nun davon überzeugt, dass das erhöhte Demenzrisiko in Zusammenhang mit dem Schadstoff Stickoxid und dem Feinstaub steht. Darüber hinaus dürften noch weitere Schadstoffe und auch die Lärmentwicklung eine Rolle spielen.

Als besonders besorgniserregend wird gewertet, dass im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung immer mehr Menschen im Bereich großer und stark frequentierter Straßen leben. Untersucht wurde übrigens auch der Einfluss straßennaher Wohnorte auf andere neurologische Erkrankungen wie etwa Parkinson und Multiple Sklerose. Dabei ergaben sich allerdings keine vergleichbaren Zusammenhänge.

Der Feinstaub wandert bis ins Gehirn

Gewisse Zusammenhänge zwischen Demenzerkrankungen und der Schadstoff- bzw. Feinstaubbelastung werden in Fachkreisen schon seit einiger Zeit diskutiert. Der Hintergrund: Bei der Verbrennung von Treibstoffen, v.a. von Kraftfahrzeug-Treibstoffen, entstehen toxische, also giftige Nanopartikel. Diese konnten 2016 von britischen Forschern auch in den Gehirnen von Menschen nachgewiesen werden. Man nimmt an, dass sie durch Einatmen und über bestimmte Nervenverbindungen dorthin gelangt sind. Untermauert wird diese Vermutung von dem Umstand, dass es sich bei den gefundenen Nanopartikeln um Teilchen von Platin, Nickel und Kobalt handelt, also um Stoffe, die sonst im menschlichen Körper kaum zu finden sind. Dagegen werden sie bei Verbrennungsmotoren sehr häufig eingesetzt.

Allerdings haben die Forscher auch einige Tipps parat, wie man das persönliche Feinstaubrisiko zumindest verringern kann. Fußgängern wird empfohlen, auf ihren Wegen einen möglichst großen Abstand zur Straße einzuhalten und lieber Umwege in Kauf zunehmen. Autofahrer sollten Zeiten mit besonders dichtem Verkehr meiden und die Lüftung im Fahrzeug auf Innenraumzirkulation schalten.

Werner Thelian