Manchmal lauern die Krankmacher ausgerechnet im Spital

Antibiotikaresistenzen bereiten Wissenschaftlern, Ärzten und den Verantwortlichen der Krankenhäuser und Gesundheitssysteme zunehmend Probleme. Foto: Can Stock Photo.

Das Problem der krankmachenden Keime, die ausgerechnet in Spitälern und ähnlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens auf ihre Opfer lauern, wird europaweit ebenso intensiv wie kontroversiell diskutiert. Französische Forscher haben mehrere Monate lang ein großes Pflegeheim unter die Lupe genommen und konnten dabei die Verbreitungswege der „Krankenhauskeime“ nachzeichnen. Ihre teilweise überraschenden Erkenntnisse helfen dabei, ungewöhnliche Häufungen nosokomialer Infektionen künftig noch wirksamer zu bekämpfen.

In letzter Zeit wurde die Öffentlichkeit immer wieder mit Berichten über „Krankenhauskeime“ konfrontiert, die Patienten während ihres Aufenthaltes im Krankenhaus oder ähnlichen Einrichtungen unter Umständen gefährlich werden können. Dabei geht die Gefahr meistens von normalerweise recht harmlosen Keimen aus, die uns auch im täglichen Leben ständig begleiten und überall um und an uns sind, ohne wirklich krank zu machen. Aber ausgerechnet im Krankenhaus können sie dann ein gewisses Maß an Bedrohlichkeit entwickeln, weil sie dort auf Menschen treffen, deren Gesundheit bereits angeschlagen ist.

Eine geschwächte Immunabwehr bietet den Angriffspunkt

Es sind Keime wie z. B. Staphylococcus aureus, ein Bakterium, das auf der Haut und den Schleimhäuten von Menschen und Tieren vorkommt. Und das nicht gerade selten. Schätzungen zufolge trägt jeder dritte Mensch genau dieses Bakterium auf der Haut oder in der Nase, ohne dass – in den meisten Fällen wenigstens – der Bakterienbefall irgendwelche Symptome auslöst. Anders ist es jedoch, wenn der Wirt, den das Bakterium besiedelt, nicht gesund und sein Immunsystem geschwächt ist, was natürlich vor allem auf Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zutreffen kann. Dann kann es zu Krankheitserscheinungen kommen: z. B. zu Hautentzündungen, Muskelerkrankungen und in ungünstigen Fällen zu Lungenentzündung und Sepsis. Besonders gefürchtet sind jene Bakterien, die bereits gegen Antibiotika resistent sind. Das trifft teilweise auch auf Staphylococcus aureus zu, von dem es einige resistente Varianten gibt.

Rund 85.000 persönliche Kontakte täglich

Um der heftig diskutierten Problematik der „Krankenhauskeime“ näher auf den Grund zu gehen, haben französische Forscher vor Kurzem in einem groß angelegten Versuch die Verbreitungswege der „Krankenhauskeime“ verfolgt und ihr Wirken sozusagen in Echtzeit nachgezeichnet. Die Wissenschaftler haben dafür vier Monate lang eine französische Pflegeeinrichtung mit fünf Stationen und insgesamt 200 Betten überwacht. 329 Patienten und 261 Mitarbeiter des Betreuungspersonals wurden mit drahtlosen Sensoren ausgestattet, um auf diese Weise alle zwischenmenschlichen Kontakte zu registrieren und aufzuzeichnen. Einmal pro Woche wurde bei allen Teilnehmern ein mikrobiologischer Abstrich der Nasenschleimhaut genommen, um so die neu aufgetretenen Infektionen nachweisen zu können. Das Ergebnis der Untersuchung: Innerhalb der Pflegeeinrichtung fanden unter den Teilnehmern der Studie täglich (!) rund 85.000 persönliche Kontakte statt, wodurch es natürlich schwer ist, die Weitergabe von Infektionen völlig zu verhindern.

Die Verbreitung von Infektionen lässt sich nie ganz verhindern

Die „Krankenhauskeime“, die im Rahmen der französischen Untersuchung nachgewiesen werden konnten, wurden in der überwiegenden Zahl der Fälle vom Personal übertragen. Das sei, so die Wissenschaftler, auch einer der wichtigsten Ansatzpunkte zur Verhinderung von nosokomialen Infektionen. Obwohl sich eine Verbreitung auch durch die größtmögliche Hygiene kaum ganz verhindern lasse, sei es wichtig, dass das gesamte Personal, aber auch die Patienten selbst und ihre Besucher auf eine erhöhte Hygiene achten. Auch als Patient und als Besucher solle man sich regelmäßig die Hände waschen bzw. sie desinfizieren.

Nosokomiale Infektionen

Infektionen werden dann als „nosokomiale Infektionen“ bezeichnet, wenn sie bei der Aufnahme in eine Einrichtung des Gesundheitswesens noch nicht vorhanden waren und erst während des ambulanten oder stationären Aufenthalts erworben wurden. Obwohl heutzutage viel über diese „Krankenhauskeime“ gesprochen und geschrieben wird, sind sie keineswegs ein völlig neues Problem. In Wirklichkeit gibt es sie, seit es Krankenhäuser mit Patienten gibt. Allerdings besitzen sie heute oft ein viel höheres Gefahrenpotenzial, das sie auch entsprechend öfter „entfalten“ können. Der medizinische Fortschritt hat zu einer starken Zunahme von operativen Eingriffen zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken geführt, wodurch sich auch Krankheitserregern zusätzliche Angriffspunkte bieten. Außerdem werden die Patienten immer älter und/oder haben verminderte Abwehrmechanismen. Dazu kommt noch das Problem der Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen, die gerade auch bei einigen häufigen Erregern von nosokomialen Infektionen zu beobachten sind.

Werner Thelian

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