Die Geheimnisse der Haut

Berührungen sind von Anfang an entscheidend. So lässt der Tastsinn der Haut Bindungen und Gefühle entstehen, verscheucht Ängste und beeinflusst ein Leben lang das Denken. Foto: CanStock Photo.

Die menschliche Haut ist ein echtes Multifunktionsorgan. Sie umhüllt den Körper, grenzt ihn von der Außenwelt ab, reguliert seinen Flüssigkeitshaushalt und die Temperatur und schützt den Organismus auf höchst wirksame Weise vor schädlichen Einflüssen. Sie erneuert sich ständig, beheimatet den Tastsinn und spiegelt unsere körperliche und psychische Verfassung wider. Obwohl uns die Haut so nahe ist, birgt sie noch so manches Geheimnis.

Die Haut ist nicht nur das größte, sondern auch das vielseitigste Organ des Menschen. Sie umhüllt den Körper, reicht von den äußersten Haarspitzen bis zu den Zehen, schützt den gesamten Organismus auf höchst effiziente Weise vor Eindringlingen und hat auch darüber hinaus unzählige wichtige Aufgaben zu erfüllen. Die Haut bildet die Grenze zwischen Innen und Außen, bewahrt den Körper weitgehend vor schädlichen Umwelteinflüssen, ist Sitz des Tastsinns und hat einen beträchtlichen Anteil an den menschlichen Kommunikationsfähigkeiten.

Die Haut bestimmt unser Aussehen, ist ein zuverlässiges Spiegelbild der Gesundheit und der seelischen Verfassung, erneuert sich lebenslang und verfügt dabei über ganz außerordentliche Wachstumsfähigkeiten. Sie ist von Nervenenden und Blutgefäßen durchzogen, kann sogar von sich aus atmen und besitzt erstaunlich viele Möglichkeiten, wenn es darum geht, Beschädigungen und Verletzungen rasch zu reparieren und zu heilen.

Die drei Hautschichten

Die Haut setzt sich im Wesentlichen aus drei Schichten zusammen: Die Oberhaut (Epidermis) bildet dabei die äußerste. Obwohl sie an den meisten Körperstellen nur etwa 0,05 mm dick ist, schützt gerade sie den Körper. Hier werden u.a. die Hornzellen produziert, die die Haut an manchen Stellen viel dicker und noch widerstandsfähiger werden lassen; an den Fingerkuppen und an den Fußsohlen zum Beispiel.

Unter der Oberhaut bzw. Epidermis liegen die Lederhaut (Dermis) und die Unterhaut (Subcutis). Während die Lederhaut mit ihren fein aufeinander abgestimmten Komponenten und ihrem Netzwerk an Kollagenfasern für die Elastizität, Zug- und Reißfestigkeit der Haut verantwortlich ist, besteht die Unterhaut aus lockerem Bindegewebe und Fettzellen. Dadurch wird die Haut verschiebbar und kann sich besser an den Körper anpassen.

Vor allem in der Unterhaut befinden sich zahlreiche Blutgefäße, die die Haut ständig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, und Millionen von Nervenzellen, die andauernd jede noch so kleine Veränderung am Körper registrieren: z. B. Druck, Dehnung, Vibrationen, Wärme und Kälte, Jucken und Schmerzen. Die so aufgefangenen und registrierten Reize werden über das Nervensystem unverzüglich an das Gehirn weitergeleitet, das dann unter Einbeziehung aller weiteren zur Verfügung stehenden Informationen entscheiden kann, ob und in welcher Form Reaktionen erfolgen müssen. Diese Fähigkeit der Haut, die nicht zuletzt auch von der Körperbehaarung und insbesondere den Arealen an den Haarwurzeln unterstützt wird, machen die Haut zu einem unverzichtbaren Teil der Gesamtwahrnehmung des Organismus. Nicht umsonst ist gerade hier, in der Haut, der Tastsinn beheimatet.

Der unterschätzte Tastsinn

Die Haut ist in enger Zusammenarbeit mit dem Nervensystem und dem Gehirn für den Tastsinn verantwortlich. Im Gegensatz zu den anderen menschlichen Sinnen wird der Tastsinn in seiner Bedeutung jedoch häufig unterschätzt. Und das völlig zu Unrecht, wie die wissenschaftliche Forschung gerade in den letzten Jahren festgestellt hat. In Wirklichkeit ist gerade der Tastsinn vollkommen unverzichtbar für das Überleben. Während es nämlich gar nicht so selten vorkommt, dass Kinder schwerhörig, taub oder blind geboren werden, kommt kein Mensch ohne Tastsinn zur Welt. Ohne ihn könnte der Fötus im Mutterleib gar nicht existieren.

Heute weiß man, dass der Tastsinn von Anfang an entscheidend am Zustandekommen von Bindungen und Gefühlen mitwirkt und dann ein Leben lang dazu in der Lage ist, durch das Wahrnehmen von Berührungen das Denken entscheidend zu beeinflussen. Sanfte Berührungen können äußerst beruhigend wirken, Ängste verscheuchen, Schockzustände mildern, Vertrauen wecken und Zuversicht wieder herstellen. Was bereits in den ersten Lebensmonaten und -jahren so wichtig und entscheidend für die Entwicklung des Menschen ist, begleitet ihn bis ins hohe Alter.

Der Tastsinn bildet sich zuerst aus

Der Tastsinn wird im Mutterleib noch vor allen anderen Sinnen, also auch vor dem Sehen und Hören, ausgebildet. So konnte nachgewiesen werden, dass der erst wenige Zentimeter messende Embryo schon in der achten Schwangerschaftswoche eindeutig auf Reize im Lippenbereich reagiert und wenig später dazu in der Lage ist, nach der Nabelschnur zu tasten und zu greifen. Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass das so früh einsetzende Zusammenwirken von Tastsinn und Gehirn die treibende Kraft hinter der Ausbildung aller anderen Sinne ist.

Die Haut atmet auch eigenständig

Aber auch abgesehen von der Rolle, die der Haut in puncto Wahrnehmung zukommt, wurden in den letzten Jahren einige bemerkenswerte Fähigkeiten des Organs neu entdeckt bzw. wissenschaftlich bestätigt. So fanden im Jahr 2001 deutsche Wissenschaftler mit verfeinerten Messmethoden heraus, dass die Haut tatsächlich selbstständig atmen kann. Bis zu einer Tiefe von 0,4 Millimetern versorgt sie sich zum überwiegenden Teil mit Sauerstoff direkt aus der Außenluft. Davor ging man immer davon aus, dass die Haut den Sauerstoff fast zur Gänze über die Blutgefäße, also aus dem Inneren des Körpers, bezieht.

Der von außen gewonnene Sauerstoffanteil ist jedoch mit nur rund 0,4 bis 0,5 Prozent eher gering und kann daher, wenn es notwendig wird, relativ leicht durch die Blutgefäße ausgeglichen werden. Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum man, entgegen anderslautenden Behauptungen, auch bei einer luftundurchlässigen Ganzkörperbemalung nicht ersticken würde.

Stress verändert die Haut

Was viele aus eigener Erfahrung kennen, wurde mittlerweile auch wissenschaftlich bestätigt: Psychische Vorgänge und Befindlichkeiten haben einen überaus großen Einfluss auf die Haut. Ständiger Stress kann dazu führen, dass die Nervenfasern in der Haut ihre sensiblen Kontaktstellen zu den Immunzellen zusätzlich weiter ausbauen. Dann neigt das Immunsystem verstärkt dazu, ständig in Alarmbereitschaft zu sein. Dadurch reagiert die Haut immer öfter und immer sensibler auf Reize, die entweder aus der sie umgebenden Umwelt oder auch aus dem eigenen Körper kommen. Daraus erklärt sich u.a. der große Einfluss, den Stress auf eine Reihe besonders häufiger Hauterkrankungen u.a. Neurodermitis und Psoriasis (Schuppenflechte) hat.

Einige Forschungsergebnisse zeigten aber auch, dass die stressbedingte Überaktivität des Immunsystems manchmal sogar einen positiven Einfluss auf die Haut und die Gesundheit haben kann. So konnte mit Tierversuchen gezeigt werden, dass akuter Stress möglicherweise dazu in der Lage ist, die Haut vor schweren Erkrankungen wie z. B. Hautkrebs zu schützen. Wenn das Immunsystem durch Stress nämlich bereits in höchster Alarmbereitschaft ist, kann es gegen entartete Zellen rascher und besser vorgehen. Ist der Stress allerdings chronisch, geht dieser positive Effekt wieder verloren.

Werner Thelian

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*