Fragen und Antworten zum Thema Alzheimer

Alzheimer und andere Formen der Demenz betreffen nicht nur die Patienten, sondern auch ihre Familien. Je mehr man darüber weiß, desto besser. Foto. CanStock Photo.

Die Alzheimer-Krankheit ist eine der größten medizinischen und gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Obwohl sie vor dem Hintergrund einer ständig älter werdenden Gesellschaft immer mehr Seniorinnen und Senioren betrifft und in den Medien entsprechend oft thematisiert wird, wissen viele Menschen noch zu wenig darüber. Wir haben die Antworten auf einige besonders häufig gestellte Fragen zusammengetragen.

In Österreich leben über 130.000 Menschen mit einer Demenz. Die mit Abstand häufigste Demenzerkrankung ist die Alzheimer-Krankheit, die vor über 100 Jahren vom deutschen Nervenarzt Dr. Alois Alzheimer entdeckt und zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben wurde. Diese schwere und chronisch fortschreitende degenerative Erkrankung des Gehirns betrifft Patienten im höheren Lebensalter und macht sich zunächst v.a. in Form von immer stärkeren Gedächtnisstörungen, später auch durch den Verlust der emotionalen und sozialen Kompetenzen sowie der Selbstständigkeit bemerkbar. Die Krankheit, die auf das Absterben von Gehirnzellen zurückzuführen ist, verläuft in Phasen, die jeweils mehrere Jahre dauern.

Ist die Alzeimer-Krankheit vererbbar?

Mit der Antwort auf diese Frage beschäftigen sich die Wissenschaftler schon lange. Auf der Grundlage der bisherigen Forschungen geht man davon aus, dass nur ein relativ kleiner Teil der Alzheimer-Fälle (ca. 2 bis 5 Prozent) auf bestimmten Veränderungen an den Chromosomen beruhen, die weitervererbt werden und bei Familienmitgliedern mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls zur Erkrankung führen. Liegt diese ganz bestimmte und seltene Mutation vor, tritt die Krankheit meistens schon vor dem 60. Lebensjahr in Erscheinung und äußert sich durch starke Gedächtnisstörungen.

Bei allen anderen Alzheimer-Fällen (95 Prozent oder mehr) liegt die zwingende Vererbung nicht vor. Trotzdem sind wohl auch genetische Faktoren daran beteiligt, dass Alzheimer in einigen Familien häufiger vorkommt als in anderen. So gibt es etwa bei einem Drittel aller Alzheimer-Patienten auch noch weitere Betroffene in der näheren Verwandtschaft. Dabei haben Verwandte ersten Grades (Kinder, Geschwister und Eltern) ein gegenüber der Normalbevölkerung um das zwei- bis vierfache erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens ebenfalls an Alzheimer zu erkranken. Sind bereits mehrere Verwandte erkrankt oder bricht die Erkrankung bei einem oder mehreren Verwandten schon vor dem 60. Lebensjahr aus, wird das familiäre Risiko dadurch größer.

Können auch junge Menschen an Alzheimer erkranken?

Echte Alzheimer-Erkrankungen, die junge Menschen betreffen, sind nicht bekannt. Es gibt aber andere Formen der Demenz, die in seltenen Fällen schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten können und manchmal auch Parallelen zu Alzheimer aufweisen. Darüber hinaus gilt: Wenn ein Abbau von Gehirnleistungen schon vor dem 50. oder 60. Lebensjahr auftritt, kann das viele Gründe haben. Panik ist in so einem Fall also nicht angebracht. Auf jeden Fall sollte jedoch ein Facharzt für Neurologie aufgesucht werden, der den Ursachen der Symptome auf den Grund geht. Oft stecken psychische Probleme dahinter – z. B. eine Depression –, die sich auf der Grundlage der Diagnose gut behandeln lassen. Durch das Gespräch mit dem Patienten, verschiedene Tests und evtl. weiterführende Untersuchungen zeigt es sich, ob eine „echte” Demenzerkrankung vorliegt oder nicht.

Wie wird die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert?

Im Grunde geht es im Rahmen der ärztlichen Untersuchung darum, alle anderen Möglichkeiten und Erkrankungen auszuschließen, die hinter einer Gedächtnisstörung stecken könnten. Neben Gesprächen (u.a. über die Krankheitsgeschichte und die familiäre Vorbelastung) und der körperlichen Untersuchung kommt speziellen Tests zur Früherkennung von Demenzen ein besonderer Stellenwert zu. Bekannt sind v.a. der „Uhrentest” und der „Mini Mental Status Test”. Blut- und Urinproben können im Labor analysiert werden. Erhärtet sich der Verdacht, dass bei dem Patienten Alzheimer oder eine andere Demenzerkrankung vorliegen könnte, gibt es zur weiteren Abklärung neuropsychologische Tests und auch Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (z. B. CT, EEG und MRT). Mit letzteren lassen sich dann auch mögliche andere Ursachen wie ein Tumor oder ein stummer Infarkt ausschließen.

Ist Alzheimer heilbar?

Alzheimer ist aus heutiger Sicht nicht heilbar. Obwohl diese degenerative Erkrankung schon vor über 100 Jahren entdeckt wurde, kennt man bis heute noch nicht zuverlässig ihre Ursachen. Umso intensiver wird geforscht. Durchbrüche konnten jedoch bei der Früherkennung und auch bei der medikamentösen Behandlung von Alzheimer-Patienten erzielt werden. Daher gilt gegenwärtig: Je eher Alzheimer oder auch einige andere Demenzerkrankungen erkannt werden, desto eher kann die medikamentöse Behandlung einsetzen und desto besser wird sie wirken. Obwohl die Krankheit nicht umkehrbar ist, kann ihre Weiterentwicklung oft deutlich verzögert werden. Dadurch gewinnen die Betroffenen viel an Lebenszeit, in der Selbstständigkeit und ihre Lebensqualität länger erhalten bleiben.

Werner Thelian

 

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