MedUni Graz: Gefahren der Fettleber nicht unterschätzen

Die Leber hat zahlreiche wichtige Aufgaben zu erfüllen. Oft ist die Gesundheit dieses viel beschäftigten Organs durch einen falschen Lebensstil ernsthaft bedroht. Foto: CanStock Photo.

An der Medizinischen Universität Graz wurde ein neuer Gentest entwickelt, der das Risiko einer chronischen Fettlebererkrankung frühzeitig erkennt. Die chronische Fettleber ist eine schwere Lebererkrankung, die häufig unterschätzt wird. Experten gehen davon aus, dass rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen ist. Aber immer häufiger kommt die Erkrankung, die zu fatalen Spätfolgen führen kann, auch bei Kindern und Jugendlichen vor.

Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) sind in der modernen Wohlstandsgesellschaft weit verbreitet und stellen in vielerlei Hinsicht ernste Gefahren für die Gesundheit dar. Während das aus Übergewicht und Bewegungsmangel resultierende Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen weithin bekannt ist und es auch Zusammenhänge zwischen Adipositas und Krebs gibt, ist vielen Betroffenen nicht bewusst, dass ein übermäßig hohes Körpergewicht auch zu schweren Lebererkrankungen führen kann. Bei der besonders gefährlichen chronischen Fettleber ist das Übergewicht sogar schon drauf und dran, den bekannten Risikofaktor „übermäßiger Alkoholkonsum” in den Schatten zu stellen.

Früherkennung ist das Ziel

„Mittlerweile ist es wahrscheinlicher geworden, aufgrund von Übergewicht an einer chronischen Fettleber zu erkranken als durch Alkoholismus”, sagt Univ.-Prof. Dr. Harald Mangge vom Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik an der MedUni Graz. Mangge weist zugleich darauf hin, dass es hinsichtlich des tatsächlichen Risikos beträchtliche individuelle Unterschiede gibt. Während manche Menschen schon bei geringem Übergewicht frühzeitig und schwer an Leberveränderungen erkranken, sind bei anderen trotz hohem Übergewicht und massiven Gewichtsschwankungen keine schweren Leberschäden zu beobachten.

Auf jeden Fall ist bei bestehenden Risikofaktoren höchste Achtsamkeit geboten. Die Erkrankung Fettleber entwickelt sich nämlich schleichend, macht sich zunächst kaum bemerkbar und wird daher meist lange Zeit übersehen. Die Folgen können jedoch fatal sein. Aus diesem Grund sind sich die Experten darüber einig, dass eine frühzeitige Diagnose und damit eine rechtzeitig beginnende Therapie für den Behandlungserfolg von entscheidender Bedeutung ist.

Ein großer Schritt in Richtung Früherkennung ist den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern am Klinischen Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der MedUni Graz erst kürzlich gelungen. Sie konnten einen sehr effizienten und kostengünstigen Gentest entwickeln, der die Gefahr einer chronischen Fettlebererkrankung frühzeitig aufzeigen und damit die langfristigen Spätfolgen verhindern kann.

Was ist die Fettleber?

Die Erkrankung „Fettleber” wird durch Fetteinlagerungen – überwiegend sind es Triglyceride – in den Leberzellen charakterisiert, die durch Kalorienüberschuss und eine damit verbundene Störung des Fettsäure- und Triglyceridstoffwechsels zustande kommt. Während die krankhafte Entwicklung im Frühstadium noch reversibel (umkehrbar) ist, führt die fortgesetzte Einlagerung von Fett in die Leberzellen im Laufe der Zeit zu irreparablen Schäden, die das wichtige Körperorgan immer schwerer in Mitleidenschaft ziehen und im schlimmsten Fall zu Leberkrebs führen können. Bei der Entstehung und Entwicklung der Krankheit spielen neben der Störung des Leberstoffwechsels auch chronische Entzündungsreaktionen eine Rolle.

Insgesamt ist die Erkrankung immer häufiger zu beobachten. Fachleute gehen davon aus, dass rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in den westlichen Ländern bereits an Fettleber leidet, wobei in besorgniserregendem Ausmaß auch immer öfter Kinder und Jugendliche betroffen sind. Eine besonders kalorienreiche Ernährung trägt in Kombination mit Bewegungsmangel dazu bei, dass sich die chronische Fettlebererkrankung immer weiter ausbreitet. Daneben spielen aber auch genetische Faktoren eine Rolle, die letztlich darüber entscheiden, ob es bei Vorhandensein der hauptsächlichen Risikofaktoren tatsächlich zur Erkrankung kommt oder ob der Verlauf begünstigt oder gebremst wird.

Risikofaktor Zucker

Aber auch die Zusammensetzung der Ernährung spielt eine große Rolle, weil manche Lebensmittel erwiesenermaßen die Fettansammlung in der Leber fördern. So haben die Grazer Wissenschaftler bei ihren Forschungen festgestellt, dass vor allem Frucht- und Haushaltszucker die Fettansammlung in der Leber fördern. Beide Zuckersorten sind in zahlreichen Lebensmitteln, in besonders großen Mengen jedoch in Limonaden zu finden.

Für die Leber kann man etwas tun

Glücklicherweise gibt es aber auch Möglichkeiten, der Gefahr einer Fettlebererkrankung durch die Umstellung des Lebensstils vorzubeugen. Zu den wichtigsten Faktoren einer leberfreundlichen Lebensweise gehören neben regelmäßiger Bewegung und kalorienreduzierter und fettarmer Ernährung vor allem der Verzicht auf Fruchtzucker und die rigorose Reduktion von „normalem” Haushaltszucker. Eine solche Umstellung kann sogar bei Menschen, die die Fettleber begünstigenden Gene in sich tragen, Leberveränderungen verhindern bzw. diese sogar wieder rückgängig machen.

Und das genau ist der Punkt, an dem die in Graz entwickelte Früherkennung durch den neuen Gentest ansetzt. Ist das Risiko nämlich einmal erkannt, kann sich der Betroffene mithilfe seines Arztes darauf einstellen und seinen Lebensstil verändern. So wird auf die beste Weise dafür gesorgt, dass die Fettleber keine unumkehrbare Einbahnstraße darstellt und die gefürchteten Spätfolgen der Erkrankung ausbleiben.

Werner Thelian

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