Die Demenzen werden weiterhin dramatisch zunehmen

Die hohe Lebenserwartung ist der Hauptgrund für die starke Zunahme der Demenzerkrankungen, die sich laut allen Prognosen auch in Österreich fortsetzen wird. Foto: CanStock Photo.

In Österreich leben schon jetzt über 130.000 Menschen mit einer Demenz. Die meisten von ihnen leiden unter der Alzheimer-Krankheit, die sich längst zu einer Volkskrankheit der älteren Generation entwickelt hat und für 60 bis 80 Prozent aller Demenzfälle verantwortlich ist. Im aktuellen österreichischen Demenz-Bericht gehen Experten davon aus, dass sich die Zahl der Demenzkranken aufgrund der immer höheren Lebenserwartung bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird.

Die bekannteste und verbreitetste Demenz ist die bei Morbus Alzheimer, einer schweren und chronisch fortschreitenden degenerativen Erkrankung des Gehirns. Die Krankheit selbst beginnt meist schon lange Zeit, bevor die eigentlichen Symptome einer Demenz auftreten. Zeigt sich die Krankheit schließlich, ist zunächst fast immer das Kurzzeitgedächtnis betroffen. In weiterer Folge kommt es zu einem immer stärkeren Abbau der kognitiven Fähigkeiten, zum allmählichen Verlust der Unabhängigkeit und des selbstbestimmten Handelns und zu immer größeren Schwierigkeiten selbst bei der Ausführung von Alltagstätigkeiten. Nach und nach gehen auch die emotionalen und sozialen Kompetenzen des Betroffenen verloren und er ist schließlich auf dauerhafte Hilfe und Pflege angewiesen.

Die vom deutschen Nervenarzt Dr. Alois Alzheimer zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte, erforschte und erstmals wissenschaftlich beschriebene Krankheit ist in Wirklichkeit nur eine der heute bekannten Demenzerkrankungen. Sie ist für rund 60 bis 80 Prozent aller Demenzfälle verantwortlich, gefolgt von der sogenannten „vaskulären Demenz”, die oft nach mehreren kleinen und daher häufig unbemerkten Schlaganfällen auftritt, und der sogenannten Lewy-Körperchen-Demenz, bei der ein Mangel an wichtigen Botenstoffen im Gehirn eine wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus werden aber auch seltener vorkommende Demenzen beobachtet, die z. B. durch Funktionsstörungen der Schilddrüse, durch Depressionen oder als Folgewirkung anderer Erkrankungen sowie als Nebenwirkung der langjährigen Einnahme bestimmter Medikamente auftreten können.

Was ist eine Demenz?

Die Demenz ist an sich ist das gehäufte Zusammentreffen von Symptomen, die mit einer chronisch fortschreitenden Erkrankung des Gehirns in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Die Erkrankung wird in drei Schweregrade eingeteilt, die im Laufe der Zeit ineinander übergehen: leichte, mittelschwere und schwere Demenz.

Die eigentlichen Ursachen für das Auftreten einer Demenzerkrankung liegen nach wie vor weitgehend im Dunkeln. Bei Morbus Alzheimer spielen vor allem Eiweißablagerungen im Gehirn, die sogenannten „Plaques”, eine Rolle, die immer größere Teile des Gehirns erfassen und zum weitflächigen Absterben von immer mehr Gehirnzellen führen. Allerdings ist noch keineswegs geklärt, ob die zu beobachtenden Eiweißablagerungen der ursächliche Grund oder eine Folgeerscheinung der Krankheit sind. Trotz weltweiter intensiver Forschung gilt Alzheimer nach wie vor als unheilbar.

Diagnose und Therapie

Demenzerkrankungen treten vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter auf und haben sich, wie das Beispiel Alzheimer zeigt, längst zu einer Volkskrankheit der älteren Generation entwickelt. Dass in dieser fortgeschrittenen Phase des Lebens das Gedächtnis, das Denken ganz allgemein und das darauf basierende Handeln nicht mehr so rege sind wie noch in jüngeren Jahren, ist zunächst eine völlig normale Erscheinung. Wenn es jedoch zu einer echten Demenz kommt, dann ist diese natürliche Entwicklung um ein Vielfaches beschleunigt und nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Immer mehr Gehirnzellen werden geschädigt und sterben ab, womit mehr und mehr Fertigkeiten des Betroffenen und schließlich auch seine Persönlichkeit verloren gehen. Menschen, die früher alles so gut „im Griff” hatten, können dann kein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben mehr führen und werden früher oder später zum Pflegefall.

Bis 2050 wird sich die Zahl der Betroffenen verdoppeln

Nach Expertenschätzungen, die im aktuellen, erst im Februar erschienenen österreichischen „Demenzbericht 2014″ mit umfangreichem Zahlenmaterial untermauert werden, wird sich die ohnehin schon hohe Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten dramatisch erhöhen. Der Bericht, der vom Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit dem Sozialministerium herausgegeben wird, geht sogar davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen bis 2050 verdoppeln wird. Dann ist in Österreich mit über 262.000 Demenzkranken zu rechnen.

Der Hauptgrund für die rasche Zunahme ist die Alterspyramide und die damit verbundene demografische Entwicklung, bei der immer weniger junge Menschen einer zunehmend älteren Bevölkerung gegenüberstehen. Weil sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Österreicherinnen und Österreicher in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht hat und diese an sich positive Entwicklung nach allen Prognosen bis über das Jahr 2050 hinaus anhalten wird, führt an einer Zunahme der Alterserkrankungen und damit auch der verschiedenen Formen von Demenz kein Weg vorbei.

Werner Thelian

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