Die Impfmüdigkeit der Bevölkerung wird immer mehr zum Problem

Die moderne Medizin hat es auch heute noch weltweit mit einer Vielzahl gefährlicher Infektionskrankheiten zu tun. Schutz- und Vorsorgeimpfungen haben sich dabei als besonders wirkungsvolles Mittel erwiesen. Foto: CanStock Photo.

Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen. Obwohl keine andere Errungenschaft der Medizin so viele Menschenleben gerettet hat wie das Impfen, ist schon seit längerem ein deutlicher Rückgang der Impfdisziplin zu verzeichnen. Das führt auch dazu, dass Krankheiten, die eigentlich längst als eliminiert oder stark zurückgedrängt galten, wieder zurückkehren.

In letzter Zeit machen Gesundheitsexpertinnen und -experten immer wieder darauf aufmerksam, dass die Impfmüdigkeit der österreichischen Bevölkerung stärker zunimmt. Schon jetzt lässt sich beobachten, dass die nachlassende Impfdisziplin bereits dazu geführt hat, dass Krankheiten, die eigentlich als besiegt galten, plötzlich wieder in Erscheinung treten. Das trifft u.a. auch auf Keuchhusten und Masern zu, bei denen in den letzten Jahren kontinuierliche Anstiege zu verzeichnen waren.

Die Masern kehren zurück

Masern gelten fälschlicherweise als Kinderkrankheit, obwohl recht häufig auch Erwachsene davon betroffen sind. Diese hochansteckende Krankheit kann zudem in allen Altersgruppen zu besonders schweren Krankheitsverläufen führen. Umso mehr fällt es ins Gewicht, dass viele bereits vergessen zu haben scheinen, dass man sich gegen Masern sehr wirkungsvoll impfen lassen kann und soll.

Die virale Infektionskrankheit Masern führt bei den Betroffenen zu Fieber, zur Entzündung der oberen Atemwege und ist v.a. durch den typischen roten Masern-Ausschlag charakterisiert. Erste Symptome treten normalerweise etwa 8 bis 12 Tage nach dem Kontakt mit dem Virus auf und machen sich meist in Form von Schnupfen, trockenem Husten, Fieber, geröteten Bindehäuten und einem Ausschlag am Gaumen bemerkbar. Diesen ersten Anzeichen folgt dann nach einigen Tagen der rote Masern-Ausschlag, der von hohem Fieber begleitet wird.

Die Gefährlichkeit der Masern wird leider immer wieder unterschätzt. Das zeigt schon der Umstand, dass bei etwa jedem fünften Erkrankten ernsthafte Komplikationen auftreten – u.a. Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Lungenentzündung. In besonders schweren Fällen können Masern sogar tödlich enden. Besonders gefürchtet sind in diesem Zusammenhang die glücklicherweise seltener vorkommende post­infektiöse Masernenzephalitis (eine Entzündung des Gehirns) und die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE).

Masern können besonders leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Das passiert in der Regel durch das Ein- bzw. Ausatmen von infektiöser Atemluft (etwa beim Sprechen), durch Tröpfcheninfektion (etwa beim Husten oder Niesen) oder durch sonstige Kontakte mit den infektiösen Sekreten aus der Nase oder dem Rachen einer bereits infizierten Person.

Warnung vor übertriebenen Ängsten

Die Fachleute weisen ausdrücklich darauf hin, dass das Impfen – gegen Masern oder andere Erkrankungen – immer doppelt schützt. Es schützt den Geimpften selbst, aber auch die anderen, die von ihm nicht mehr angesteckt werden können. Leider, so die Experten, werde heute oft mehr über die möglichen Nebenwirkungen von Impfungen und einzelnen Impfstoffen gesprochen als über den nach wie vor konkurrenzlosen Schutz, den das Impfen mit sich bringt. Daher sei es vor dem Hintergrund der zunehmenden Impfmüdigkeit besonders wichtig, die Bevölkerung entsprechend aufzuklären und über die Sinnhaftigkeit von Schutzimpfungen zu informieren. Dabei gehe es auch darum, die ebenso häufigen wie gefährlichen „Impfmythen” und die mit ihnen verbundenen Ängste nachhaltig aufzuklären.

Immer öfter wird auch beobachtet, dass es sogenannte „immunologische Trittbrettfahrer” gibt, die sich schon deshalb nicht impfen lassen, weil sie davon ausgehen, dass ohnehin die anderen geimpft sind und sie nicht anstecken werden. In dieser Hinsicht gehe es vor allem darum, an das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen zu appellieren. Wer sich nämlich nicht impfen lässt, handelt unverantwortlich gegen sich und andere. Beispiele dafür gibt es viele. So geht etwa ein hoher Prozentsatz der Fälle von Keuchhusten oder Pneumokokken-Infektion bei Säuglingen auf eine Ansteckung durch Erwachsene zurück, während sich bei der Influenza, also der echten Grippe, wiederum oft die Kinder im Kindergarten oder in der Schule infizieren und die Erkrankung dann zu Hause an die ganze Familie weitergeben.

Ärzte und Apotheker schlagen Alarm

Wie brisant das Thema „Impfmüdigkeit” mittlerweile schon ist, zeigte sich auch im Rahmen des Österreichischen Impftages 2015, der vor kurzem in Wien stattfand. Im Rahmen dieser Fachveranstaltung, die heuer unter dem Motto „Impfen: Vom Wissen zum Handeln” stand, diskutierten über 600 Wissenschaftler, Ärzte und Apotheker über die verschiedenen Aspekte des Impfens und die erforderlichen Maßnahmen gegen die zunehmende Impfmüdigkeit. Der Kongress wurde von der Österreichischen Akademie der Ärzte in Kooperation mit dem Medizinischen Universität Wien, der Österreichischen Ärztekammer, der Apothekerkammer, der Österreichischen Gesellschaft für Kinder-Jugendheilkunde und der Österreichischen Liga für Präventivmedizin veranstaltet.


Fakten zum Impfen

Impfen ist eine wichtige Vorsorgemaßnahme, die zahlreiche Leben rettet, vor den Folgen lebenslanger Beeinträchtigungen bewahrt und darüber hinaus dem Gesundheitssystem enor­me zusätzliche Kosten erspart. Damit zählen Impfungen zu den wirksamsten Mitteln überhaupt, die der modernen Medizin zur Verfügung stehen.

Früher, bevor Impfstoffe überhaupt entwickelt werden konnten, waren Infektionskrankheiten ungleich stärker verbreitet als heute und auch die häufigste Todesursache im Kindesalter. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass seit 1924 mindestens 103 Millionen Kinder durch Impfungen vor gefährlichen Erkrankungen bewahrt und damit rund 95 Prozent aller Infektionen verhindert werden konnten.

In vielen Staaten – darunter auch in Österreich – gibt es nationale Impfprogramme, die Infektionskrankheiten wie Masern, Röteln, Hämophilius influenzae Typ B, Hepatitis und Keuchhusten stark zurückdrängen konnten. Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung (Polio) konnten sogar zur Gänze aus Österreich verbannt werden.

Werner Thelian

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