Mehr Aufmerksamkeit für Diabetes

Die chronische Stoffwechselstörung Diabetes mellitus ist eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Foto: CanStock Photo.

Alljährlich findet am 14. November der Weltdiabetestag statt, der die gefürchtete Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rückt. Weltweit gibt es über 370 Millionen Diabetiker und darüber hinaus eine hohe Zahl unmittelbar Gefährdeter. In Österreich sind fast 10 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die „Zuckerkrankheit” ist nicht nur eine der verbreitetsten, sondern auch eine der risikoreichsten Erkrankungen unserer Zeit.

„Gesundes Essen beginnt mit dem Frühstück” lautetet das Motto des diesjährigen Weltdiabetestages, der von der International Diabetes Federation (IDF) gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veranstaltet wurde und seit seiner Einführung 1991 unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen steht. Der Tag, der an den Geburtstag von Sir Frederick Banting, einem der Entdecker des lebenswichtigen Insulins, erinnert, macht weltweit durch Aktionen und Veranstaltungen auf die großen Gefahren aufmerksam, die mit Diabetes verbunden sind. Nach wie vor ist Diabetes nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste krankheitsbedingte Todesursache überhaupt.

Die zwei Typen von Diabetes

Diabetes mellitus, im Volksmund auch als „Zuckerkrankheit” bekannt, ist eine chronische Störung des Stoffwechsels, an der das Hormon Insulin und der Einfachzucker Glukose beteiligt sind. Insulin wird bei Gesunden in ausreichendem Maße in der Bauchspeicheldrüse gebildet und sorgt für den Transport der Glukose in die Körperzellen, für die der Einfachzucker einen wichtigen Nährstoff darstellt.

Ist dieser Stoffwechsel jedoch gestört, liegt entweder ein grundlegender Mangel an Insulin und/oder eine Unterempfindlichkeit der Körperzellen für Insulin vor. Während beim weitaus häufigeren Typ 2-Diabetes die Insulinunterempfindlichkeit oder gar Insulinresistenz der Körperzellen das Hauptproblem darstellt, steht bei Patienten mit dem selteneren Typ 1-Diabetes der Insulinmangel im Vordergrund.

Sowohl bei Typ 2-Diabetikern als auch bei Typ 1-Diabetikern kommt es durch die Stoffwechselstörung zu ernsthaften Gesundheitsproblemen: Der „Treibstoff” Glukose wird den Zellen nicht in ausreichendem Maße zugeführt und bleibt bei den Typ 2-Diabetikern überreichlich im Blut vorhanden, von wo aus er mit der Zeit beträchtliche Schäden an den Gefäßen, Nerven und Organen des Körpers anrichtet.

Dabei bleiben die Auswirkungen dieser chronischen Stoffwechselerkrankung oft lange Zeit unbemerkt, wodurch es zu den gefürchteten Spätfolgen kommen kann: u.a. Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen (Dialyse wird erforderlich) und Erblindung.

Aktuelle Zahlen für Österreich

Anlässlich des Weltdiabetestages 2014 wurde auch eine neue Studie vorgestellt, die im Auftrag der Sanofi Österreich von der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH durchgeführt wurde. Sie ist die aktuellste Erhebung in Österreich und zugleich die erste wissenschaftliche, die sich u.a. auch mit den durch Diabetes entstehenden Krankheitskosten beschäftigt.

In Österreich, so die Autoren, leben derzeit rund 480.000 Menschen mit der Diagnose „Diabetes”, wobei die Dunkelziffer ausgesprochen hoch ist. Experten gehen davon aus, dass österreichweit bereits rund 645.000 Menschen von der Zuckerkrankheit betroffen sein dürften. Die hohe Dunkelziffer ist darauf zurückzuführen, dass viele gar nicht wissen, dass sie bereits erkrankt sind und Diabetes oft erst dann entdeckt wird, wenn bereits eine der gefährlichen Folgeerkrankungen vorliegt.

Rund 90 Prozent der in Österreich lebenden Diabetikerinnen und Diabetiker sind von Typ 2-Diabetes betroffen. Die Erkrankung wird oft auch als „Altersdiabetes” bezeichnet, obwohl sie immer häufiger auch bei jüngeren Menschen vorkommt. Sehr oft geht sie mit Übergewicht, falscher Ernährung und Bewegungsmangel einher.

Wie die aktuelle Studie zeigt, werden in Österreich pro Jahr rund 1,94 Milliarden Euro für die Behandlung von Diabetes ausgegeben, wobei die direkten Diabeteskosten – dh. Kosten für blutzuckersenkende Therapien, Diabetesmanagement, Akut- und Spätkomplikationen – bei rund 1,7 Milliarden Euro und damit ca. fünf Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben liegen.

Diabetes frühzeitig entdecken: Checks in den Apotheken erfolgreich

In Österreich machen neben den Ärzten auch die Apotheker auf die Gefahren von Diabetes aufmerksam. Damit die Erkrankung rechtzeitig und gezielt behandelt werden kann, muss sie zunächst einmal entdeckt werden. Daher bieten die österreichischen Apotheken Risiko-Checks an, die sich schon in der Vergangenheit bestens bewährt haben. So konnten im Rahmen der Vorsorge-Aktion „10 Minuten für meine Gesundheit” (2013) rund 6.000 Menschen erreicht werden, die ihre Gesundheitswerte in den Apotheken messen ließen. Dabei wurden 529 Diabetiker (9 Prozent der Teilnehmer) identifiziert, unter denen auch 259 neu entdeckte Diabetiker waren. 1.334 Personen (22 Prozent der Teilnehmer) wurden als diabetesgefährdet erkannt. Ihnen wurde zur weiteren Abklärung der Werte der Besuch beim Arzt empfohlen.


Diabetes-Symptome erkennen

Obwohl die chronische Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus meist lange beschwerdefrei bleibt, gibt es einige Symp­tome, die auf die Erkrankung hinweisen können:

  • Ständiger großer Durst
  • Abgeschlagenheit und Leistungsabfall
  • Häufiges Wasserlassen, auch nachts
  • Juckreiz
  • Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme oder Heißhunger
  • Sehstörungen
  • Abnahme von Libido und Potenz bei Männern
  • Unregelmäßige Periodenblutung bei Frauen
  • Erhöhte Infektanfälligkeit, schlechte Wundheilung und Hautinfektionen

Quelle: Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG), www.oedg.org.

Werner Thelian

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