Alzheimer bleibt eine globale Herausforderung

Am Welt-Alzheimer-Tag am 21. September wird auf eine der häufigsten und gefürchtetsten Erkrankungen vorwiegend der Älteren aufmerksam gemacht. Foto: Can Stock Photo.

Seit 1994 findet am 21. September jedes Jahres der Welt-Alzheimer-Tag statt, an dem rund um den Globus auf die häufigste Demenzerkrankung sowie auf die Situation der Patienten und ihrer Angehörigen aufmerksam gemacht wird. Alzheimer und andere Formen der Demenz, die sich immer rasanter ausbreiten, gelten heute als die größte medizinische und volkswirtschaftliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Während Experten gegenwärtig davon ausgehen, dass weltweit rund 44 Millionen Menschen an Demenz leiden, könnte sich die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 verdreifachen.

Während man noch vor einem Jahr davon ausging, dass weltweit rund 35 Millionen Menschen von einer fortschreitenden Demenzerkrankung wie der Alzheimer-Krankheit betroffen sind, musste die Alzheimer’s Disease International (ADI) vor kurzem eingestehen, sich bisher einfach verschätzt zu haben. Schon jetzt, so die durchaus ernüchternde Feststellung der Organisation, leiden 44 Millionen Menschen unter Demenz. Hält die Entwicklung weiter an, wird sich die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2030 auf weltweit rund 76 Millionen Menschen steigern, während bis 2050 dann sogar 135 Millionen Erkrankte zu erwarten sind. Vor diesem Hintergrund stuft die ADI Alzheimer und Co. als die „größte globale medizinische Herausforderung unserer Generation” ein.

Über 100.000 Österreicherinnen und Österreicher sind betroffen

Obwohl die sogenannte „Volkskrankheit der älteren Generation” schon vor über 100 Jahren vom deutschen Nervenarzt Dr. Alois Alzheimer als eigenständige Krankheit entdeckt und beschrieben wurde, gibt es bis heute trotz intensiver Forschung keine wirklich wirksame Therapie gegen sie. Zwar haben sich die Möglichkeiten der Früherkennung und der medikamentösen Behandlung in den letzten Jahren deutlich verbessert, aber ein echter Durchbruch ist noch immer nicht in Sicht.

Von den über 100.000 Österreicherinnen und Österreichern, die an einer Demenzerkrankung leiden, wird bei rund 60 bis 80 Prozent die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert. Alzheimer ist damit zwar die mit Abstand häufigste, aber keineswegs die einzige Demenzerkrankung. So gibt es auch die „vaskuläre Demenz”, die oft nach mehreren kleinen und häufig unbemerkten Schlaganfällen auftritt, die sogenannte Lewy-Körperchen-Demenz und einige seltenere Demenzformen, die etwa durch Depressionen, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder durch die langjährige Einnahme bestimmter Medikamente hervorgerufen werden können.

Beträchtliche Informationsdefizite

Während die medizinische Forschung nach wie vor hofft, in Zukunft eine wirksame Therapie gegen das so weit verbreitete Leiden der Älteren finden zu können, hat man es gegenwärtig auch außerhalb der Forschungsinstitute, Labors und Krankenhäuser mit zahlreichen Schwierigkeiten zu tun. In erster Linie macht sich immer wieder das beträchtliche Informationsdefizit bemerkbar, das nach wie vor in großen Teilen der Bevölkerung herrscht.

So hat die Alzheimer’s Association erst vor kurzem eine Umfrage in 12 Ländern durchgeführt (Australien, Brasilien, Kanada, China, Dänemark, Deutschland, Japan, Indien, Mexiko, Nigeria, Saudi-Arabien und dem Vereinigten Königreich), deren Ergebnisse die Unsicherheiten und Fehleinschätzungen in puncto Alzheimer und Demenz erneut vor Augen führten. Rund 59 Prozent der Befragten glaubten fälschlicherweise, dass Alzheimer eine typische Alterserscheinung ist. 40 Prozent waren der Meinung, dass Alzheimer nicht zum Tod führt. 38 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass es eine familiäre Vorbelastung braucht, um ein erhöhtes Alzheimer-Risiko zu haben, obwohl jeder an Demenz erkranken kann und das fortschreitende Alter den größten Risikofaktor darstellt.

Obwohl also noch immer beträchtliche Wissensmängel bestehen, gilt Alzheimer weltweit als eine der am meisten gefürchteten Krankheiten überhaupt. Als nämlich gefragt wurde, welche Krankheit oder welches Leiden die Befragten als für sich persönlich am schlimmsten einstufen würden, gab fast ein Viertel (23 Prozent) die Alzheimer-Krankheit an, die damit nach dem Krebs (42 Prozent) an zweiter Stelle steht.

Werner Thelian

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